Yvonne Gilli
Neue FMH-Präsidentin kritisiert die Führung: «Im BAG fehlt es an ärztlicher Expertise»

FMH-Präsidentin Yvonne Gilli ist die oberste Ärztin der Schweiz. Sie ist der Meinung, dass es in der Führung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) an ärztlicher Expertise fehlt.

Drucken
Teilen
FMH-Präsidentin Yvonne Gilli

FMH-Präsidentin Yvonne Gilli

Michel Canonica / Tagblatt

(aib) Die nationale Ärztevereinigung FMH zählt rund 42’000 Mitglieder. Präsidiert wird die Vereinigung ab kommendem Monat von der Ende Oktober 2020 gewählten Yvonne Gilli. Im Gespräch mit der «Sonntagszeitung» äussert sie nun Kritik am Bundesamt für Gesundheit (BAG). Ihrer Ansicht nach fehlte es in der Führung an Expertise. Eine Pandemie lasse sich laut Gilli nicht bekämpfen, ohne die Arbeitenden in Kernberufe an der Front einzubeziehen.

Es sei wichtig, die Rolle der Ärztinnen und Ärzte zu überdenken. Yvonne Gilli ist der Meinung, dass diese Fachleute nicht nur als externe Berater engagiert werden, sondern innerhalb der Strukturen verankert sein sollen. Es brauche Ärztinnen und Ärzte in der strategischen Führung des BAG – und nicht nur in den Stabsstellen.

Ich glaube, das gibt es in keinem anderen europäischen Land. Für mich ist das eine der Ursachen für die aktuellen Probleme.

Man müssen die Arbeitenden in Kernberufen forant an der Front einbeziehen. Der Austausch zwischen der ärztlichen Fachexpertise und den Entscheidungsträgern klappe zu wenig gut. «Das sieht man etwa daran, dass der Bundesrat die Empfehlungen der Covid-Taskforce oft ignoriert», sagt Yvonne Gilli gegenüber der «Sonntagszeitung».

Einen Impfzwang unterstützt sie nicht

Die neue FMH-Präsidentin betont zudem, sie sei froh über die Corona-Impfungen: «Wir alle hoffen, dass der Impfstoff die erwartete Wirkung entfaltet.» Yvonne Gilli ist aber gegen ein mögliches Impfobligatorium. «Ich bin ich vehement dagegen, dass man das Pflegepersonal unsachlich unter Druck setzt», so Gilli weiter. Gestern berichtete die «Schweiz am Wochenende», dass sich nur die Hälfte des Aargauer Pflegepersonals gegen Corona impfen lassen will. Gilli könne auch nicht verstehen, wieso ausgerechnet dem Pflegepersonal Vorwürfe gemacht werden, das seit Monaten bis zur Grenze der Belastbarkeit arbeitet.