Neue Argumente für eine Verkabelung

Schreckgespenst Freileitung: Fotomontage der geplanten Hochspannungs-Freileitung in Riniken.

Riniken

Schreckgespenst Freileitung: Fotomontage der geplanten Hochspannungs-Freileitung in Riniken.

Die Gemeinde Riniken und die privaten Einsprecher geben nicht so schnell klein bei: Mit einem Gutachten zur Studie der NOK über eine Erdverlegung der geplanten 380-/220-kV-Hochspannungsleitung versuchen sie vor Bundesverwaltungsgericht den Entscheid des Bundesamtes für Energie für eine Hochspannungsleitung umzustossen.

Louis Probst

In der Auseinandersetzung zwischen der Gemeinde Riniken und privaten Einsprechern einerseits und den NOK anderseits um die Frage einer Teilverkabelung der 380-/220-kV-Leitung ist eine weitere Runde ausgetragen worden. Vor dem Bundesverwaltungsgericht in Bern hatten die Parteien jetzt nochmals die Möglichkeit, Stellung zu ihren Begehren zu nehmen.

Zu dieser öffentlichen Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht war es gekommen, nachdem das Bundesgericht auf eine Beschwerde der Gemeinde Riniken und der privaten Einsprecher hin einen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes aufgehoben und die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung angeordnet hatte. In seinem Entscheid hatte das Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde der Gemeinde Riniken und der privaten Einsprecher gegen die vom Bundesamt für Energie erteilte Plangenehmigung in Bausch und Bogen abgewiesen.

Riniken präsentiert neues Gutachten

«Wir haben jetzt vor dem Bundesverwaltungsgericht ein Gutachten vorgelegt, in dem nachgewiesen wird, dass die Erkenntnisse der Studie der NOK über eine Teilverkabelung der geplanten Leitung in Riniken veraltet sind», erklärte der Riniker Gemeindeammann Ernst Obrist auf Anfrage.

Dieses Gutachten, das von Heinrich Brakelmann, Professor für Energietransport und -speicherung an der Universität Duisburg-Essen, im Auftrag der Gemeinde Riniken erstellt worden ist, kommt im Wesentlichen zum Schluss, dass eine Erdverlegung sowohl in Bezug auf Energieverluste als auch auf Erstellungskosten wesentlich besser abschneidet, als in der Studie der NOK dargelegt wird.

«Die Freileitung weist Verluste auf, die um einen Faktor 3,2 bis 4,2 höher sind als die Verluste bei einer Kabelleitung», hält Professor Brakelmann in seinem Gutachten fest. «Über eine Zeitdauer von 40 Jahren betrachtet, erzeugt die Freileitung Verluste, die um rund 60 000 MWh höher sind als bei einer Kabellösung.»

Im Gutachten wird aber auch darauf hingewiesen, dass ein sinnvoller Vergleich der Wirtschaftlichkeit nur über eine Betrachtung der Gesamtkosten erfolgen könne. Bereits beim relativ kurzen Übertragungsabschnitt von rund 950 Meter Länge in Riniken würden die Mehrkosten für die Verluste bei einer Freileitung im Zeitraum von 40 Jahren bei etwa 2,8 Millionen Franken liegen.

Das Gutachten spricht sich zudem für eine Verlegung der Kabelleitung in einem Stollen oder einem Tunnel aus. «Neuartige Tunneltechnologien erlauben Verkabelungen bei Kosten, die nicht nur weit niedriger sind als in der Studie der NOK angegeben wird, sondern im vorliegenden Fall auch geringer als bei einer direkten Erdverlegung», wird im Gutachten betont.

«Mit Interesse zur Kenntnis genommen»

«Wir haben das Gegengutachten mit Interesse zur Kenntnis genommen», erklärte Daniela Biedermann, die Mediensprecherin der NOK, auf Anfrage. «Wir werden jetzt zuerst gegenüber dem Bundesverwaltungsgericht unsere Stellungnahme formulieren. Wir bitten um Verständnis, dass wir erst nachher die Öffentlichkeit informieren können.»

Der Entscheid des Bundesverwaltunsgerichtes dürfte wohl erst in einigen Wochen vorliegen. Falls das Bundesverwaltungsgericht bei seinem Entscheid bleibt und die Beschwerden der Gemeinde Riniken und der Einsprecher gegen die Erteilung der Plangenehmigung erneut abweist, hätten diese die Möglichkeit, allenfalls nochmals ans Bundesgericht zu gelangen. Gemeindeammann Ernst Obrist: «Darüber haben wir noch nicht entschieden.»

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