Körperverletzung
Neue Anklage gegen den Jugendstraftäter Carlos

Unter dem Namen Carlos ist der heute 21-Jährige wegen eines Dokumentarfilms über sein Sonder-Setting bekannt geworden. Nun ist er wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

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"Carlos" beim Kampfsporttraining in Reinach (Screenshot SRF/Archiv)

"Carlos" beim Kampfsporttraining in Reinach (Screenshot SRF/Archiv)

Der als Carlos bekannte Jugendstraftäter muss sich erneut vor Gericht verantworten. Die Oberstaatsanwaltschaft Zürich bestätigt entsprechende Recherchen von TeleZüri: "Wir können bestätigen, dass die Staatsanwaltschaft am 8. November 2016 gegen ihn beim Bezirksgericht Zürich Anklage wegen eines Köperverletzungsdelikts erhoben hat", schreibt Sprecherin Muriel Tièche auf Anfrage von TeleZüri.

Die genauen Umstände des Vorfalls sind unklar. Die Anfrage, ob Carlos in Haft ist, beantwortet die Oberstaatsanwaltschaft nicht.

Die SRF-Sendung "Reporter" hatte am 25. August 2013 erstmals über den Fall Carlos und sein Sonder-Setting berichtet. Der Titel der Sendung: "Der Jugendanwalt".

An den hohen Kosten von monatlich 29'000 Franken zulasten der Zürcher Justiz entflammte eine monatelange schweizweite Diskussion. Auch der Umstand, dass Carlos' Opfer ein Leben lang am Messerstich zu leiden hat, im Gegensatz zu Carlos aber kaum Unterstützung erhält, erregte die Gemüter.

 «Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.
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 Der Fall schlug hohe Wellen, weil der gewalttätige Jugendliche den Staat im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms für schwer erziehbare Jugendliche 29'200 Franken im Monat kostete.
 In diesem Kampfsport-Zentrum in Reinach genoss "Carlos" fast täglich Thaibox-Unterricht.
 Die erste Medienkonferenz zum Fall «Carlos» 2013. Justizdirektor Martin Graf (rechts) spricht sich gegen «Luxus und Nice-To-Haves» in einem Sondersetting aus. Er stuft die Kosten als zu hoch ein. 2014 wird das Sondersetting von «Carlos» angepasst. Statt monatlich 29'000 Franken sollen sich die Kosten neu auf 19'000 Franken belaufen.
 Gerichtszeichnung von Linda Graedel.
 Nur 21 Tage, nachdem «Carlos» aus dem Gefängnis entlassen wurde, sitzt er am 1. April 2016 wieder in U-Haft. Er hatte mit einem Faustschlag einen Mann aus einem Tram katapultiert.
 Das Bezirksgericht Zürich verurteilt «Carlos» im März 2017 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Gerichtszeichnung von Linda Graedel. Anschliessend an die Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchungshaft.
Das Bundesgericht hat in einem am Donnerstag publizierten Urteil bestätigt, dass bei dem jungen Mann von Wiederholungsgefahr ausgegangen werden darf: "Carlos" wird nach Verbüssung der Freiheitsstrafe in Untersuchungshaft genommen.

«Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.

Keystone

Die Folgegeschichte kennt viele Wendungen. Das Sonder-Setting wurde abgebrochen, Carlos erst im Gefängnis untergebracht (laut Bundesgericht widerrechtlich), dann verschiedenen anderen Massnahmen zugeführt, um ihn wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Jedoch: Der junge Mann machte weiterhin Schlagzeilen.

Carlos war seit August 2015 ein freier Mann. Das Bezirksgericht Dietikon ZH hatte ihn damals zwar zu eine Geldstrafe verurteilt, weil er in einer Gefängniszelle randaliert hatte. Weil er aber zuvor zu Unrecht inhaftiert worden war, war diese Strafe damit abgegolten.

Der Fall war ein Grund dafür, dass der Zürcher Justizdirektor Martin Graf die Wiederwahl 2015 nicht schaffte.

Carlos ist der Sohn eines Schweizers und einer Brasilianerin und war seit dem 11. Lebensjahr wiederholt straffällig geworden - der heutige Fall reiht sich darin nahtlos ein.

(14.11.2016)