Landwirtschaft
Neue Agrarpolitik spaltet den Bauernstand

Heute debattiert der Nationalrat über die Agrarpolitik 14-17. Die Bergbauern fühlen sich vom Bauernverband schlecht vertreten. Einer der sich für sie einsetzt ist der BDP-Nationalrat Hansjörg Hassler.

Doris Kleck und Rinaldo Tibolla
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Bergbauern oberhalb des Vierwaldstättersees bei der Arbeit (Archiv)

Bergbauern oberhalb des Vierwaldstättersees bei der Arbeit (Archiv)

Keystone

Mindestens ein bürgerlicher Landwirt wird sich in der heutigen Debatte zur Agrarpolitik 14-17 gegen den Bauernverband stellen: Nationalrat Hansjörg Hassler, Biobauer aus dem bündnerischen Donat und – notabene – Vorstandsmitglied des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV). Hassler wird nicht in irgendeinem Nebenaspekt von der Verbandsmeinung abweichen, sondern beim «Filetstück».

Die Tierbeiträge sind der umstrittenste Punkt in der AP 14-17. Der Bundesrat will sie ganz abschaffen, der SBV und seine Standesvertreter im Parlament drängen auf einen Kompromiss. Der Flächenbeitrag soll abhängig sein vom Tierbesatz. Mit anderen Worten: Je mehr Kühe auf einem Hektar Weideland stehen, desto mehr Geld bekommt der Bauer vom Staat – bis zu einer gewissen Obergrenze.

Spektakulärer Meinungswechsel

In der vorberatenden Wirtschaftskommission (WAK) blieben die Bauernvertreter mit 16:9 Stimmen in der Minderheit. Zu dieser Minderheit gehörte auch Hansjörg Hassler. Der BDP-Nationalrat hat nun aber eine Kehrtwende vollzogen. Seine Begründung: Die Tierbeiträge würden kleine Betriebe in den Berggebieten gegenüber den grossen im Mittelland benachteiligen.

BDP-Nationalrat Hansjörg Hassler

BDP-Nationalrat Hansjörg Hassler

Keystone

Eine Ansicht, welche die Agrarallianz – ein Bündnis aus Konsumenten-, Bauern- und Umweltorganisationen –teilt. Die Honorierung eines hohen Tierbestandes sauge Geld aus dem Berggebiet. Das mache angesichts der ausgewiesenen Einkommensprobleme der Bergbetriebe keinen Sinn.

Bauern kritisieren ihren Verband

Hansjörg Hassler will dennoch keinen Konflikt zwischen kleinen und grossen Betrieben, zwischen Berg und Tal hinaufbeschwören. Er sagt: «Es ist meine Aufgabe, die Interessen der Bergbauern wahrzunehmen.» Der SBV indes vertrete die Interessen der Bauern der ganzen Schweiz.

Hart ins Gericht mit dem SBV geht hingegen Georges Stoffel. Der Bergbauer bewirtschaftet einen 40-Hektaren-Betrieb in Avers. Er fühlt sich vom SBV in der Debatte «ganz und gar nicht vertreten», und wirft dem Verband vor, der Grossteil seiner Forderungen füge der Landwirtschaft Schaden zu, insbesondere die Haltung zu den Tierbeiträgen. «Die Tierbeiträge haben zu einer ruinösen Entwicklung beispielsweise auf dem Milchmarkt geführt», sagt Stoffel. Zudem würden die Tierbeiträge Futtermittelimporte fördern und damit die Produktion verteuern.

Tatsächlich kämpfen die Bauern bei Milch und Butter mit Absatzproblemen und fallenden Preisen. «Staatliche Anreize um noch mehr Kühe zu halten, machen deshalb keinen Sinn», sagt Christof Dietler, Geschäftsführer der Agrarallianz. Der Vorschlag des SBV sei schlecht für die Bauern. Maya Graf, Biobäuerin und Grüne-Nationalrätin wirft dem SBV vor, er vertrete jene Bauern, die sich nicht bewegen wollen. Also jene, die weder innovativ sind noch nachhaltig produzieren.

Nur die SVP ist geschlossen

Der SBV hat in den letzten Wochen intensiv für seine Lösung lobbyiert. Ob es genützt hat, ist zweifelhaft. Zwar gilt der Nationalrat als landwirtschaftsfreundlicher als die WAK. Doch ausser der SVP steht keine Fraktion geschlossen hinter dem Vorschlag des Bauernverbandes.