Metropolitanraum
«Nehmt Basel auch mit ins Boot!»

Die Zusammenarbeit mit Zürich, Luzern und der Ostschweiz sei wichtig, meinen Aargauer Politikerinnen und Politiker. Aber die in letzter Zeit forcierte Ausrichtung Richtung Nordwesten dürfe nicht einfach geopfert werden.

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Strasse nach Zürich

Strasse nach Zürich

Aargauer Zeitung

Hans Fahrländer

«Die Schweiz wird umgepflügt» titelte der «Sonntag» in seiner letzten Ausgabe und stellte unter anderem das Projekt des Metropolitanraumes Zürich vor, der am 3. Juli als privatrechtlicher Verein und Zusammenarbeits-Plattform von acht Kantonen in Zürich gegründet werden soll.

Es sind dies, neben Zürich: Aargau, Luzern, Zug, Schwyz, St. Gallen, Thurgau und Schaffhausen. In diesem Gebiet leben 43% der Wohnbevölkerung, 35% des Bruttoinlandproduktes werden hier erwirtschaftet. Die beteiligten Kantone wollen eine Regierungskonferenz bilden, der Aargau ist darin vertreten durch seinen neuen «Wirtschaftsminister» Urs Hofmann.

«Wir wollen kein Anhängsel sein»

«Grundsätzlich befürworte ich Modelle der überregionalen Zusammenarbeit», sagt CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. Die Wirtschaft lebe diese Grenzüberschreitungen vor, die Politik renne noch oft hintendrein. Aber: «Es darf nicht sein, dass der Aargau bei diesem Zusammengehen zum Anhängsel von Zürich degradiert wird», betont Humbel. Aargauer Standortförderung bedeute, selbstbewusst die Stärken und Werte des Aargaus zu pflegen.

So denke man bei der Verteilung der Spitzenmedizin immer nur an die Zentren, dabei verfüge der Aargau am Paul-Scherrer-Institut über eine Protonentherapie, die man als schweizerisches Zentrum positionieren könnte.

Die CVP hat vorgeschlagen, die Schweiz in fünf bis sieben «Gesundheitsregionen» einzuteilen - zu welcher gehört der Aargau? Ruth Humbel: «Wir haben noch keine fixe Verteilung gemacht. Verschiedene Kantone werden mehr als eine Ausrichtung haben, so auch der Aargau. Seine Doppel-Ausrichtung gegen Zürich und Basel ist und bleibt sein Schicksal . . .»

«Das bringt uns gar nichts»

«Dieser Verein bringt uns im Fricktal gar nichts», sagt SP-Grossrat Roland Agustoni aus Magden. «Vielleicht fallen für den Mittelland-Speckgürtel ein paar Brosamen ab, aber für uns kaum.» Agustoni hat, als der Aargau 2005 probehalber der Standortförderungs-Organisation Greater Zurich Area (GZA) beigetreten ist, die Regierung aufgefordert, auch der Parallel-Organisation Basel Area beizutreten, was diese bisher nicht getan hat. Agustoni: «Die Regierung hat bestätigt, dass das Mitmachen bei GZA nicht viel gebracht hat - warum also diese Beziehungen noch verstärken?

Wir verdienen hier jeden zweiten Franken im Verkehr mit Süddeutschland, und wenn Basel erkältet ist, hustet das Fricktal.» Er verlange ja nicht, dass man bei Zürich nicht mitmache, er wehre sich nur gegen Einseitigkeit. «Das Fricktal will nicht primär Geld - wir sind wirtschaftlich stark genug -, es will nur Gleichberechtigung und Handlungsspielraum für die Zusammenarbeit mit den für uns wichtigsten Partnern», betont Agustoni.

Zürich und Basel zusammenfügen

Grossrat Daniel Heller aus Erlinsbach hat mit der FDP die Idee des Wirtschaftsraums Nordschweiz lanciert. Er stellt eine Erweiterung der Nordwestschweiz um Zürich und Schaffhausen dar. Heller verlangt denn auch energisch: «Erfolg hat nur ein Modell, das Zürich und Basel zusammenbringt. Der Aargau könnte darin als Meister der Diplomatie eine Brückenfunktion übernehmen, Luzern könnte auch dazukommen.

International gesehen ist auch der Metro-Raum Zürich noch zu klein - im Vergleich etwa zu Baden-Württemberg. Der Gegensatz Zürich - Basel wird aufgebauscht, die beiden müssen sich finden, sonst werden sie abgehängt.» Was auch für den Aargau fatal wäre. Heller: «Kommt die Brücke Zürich-Basel nicht zustande, entgeht der Aargau langfristig nicht dem Auseinanderdriften. Die Schnittstelle geht mitten durch unseren Kanton. Wir haben deshalb alles Interesse an einer Gesamtlösung Nordschweiz.»

Grünenfelder: Schrittweises Vorgehen

Der Regierungsrat wird am nächsten Mittwoch an einer Medienkonferenz über das Entwicklungsleitbild 2009-18 zu den Aussenbeziehungen des Kantons Stellung nehmen. Staatsschreiber Peter Grünenfelder bestätigt aber, dass der Aargau dem Verein Metro Zürich am 3. Juli beitreten wird (anstelle des Aarauers Urs Hofmann wird der Badener Peter Beyeler das Dokument unterzeichnen, denn am 3. Juli ist Maienzug!).

Er bestätigt auch, dass das Mitmachen bei interkantonalen Plattformen und Regierungskonferenzen gemäss Verfassung primär im Aufgabenbereich der Exekutive liegt. Und Grünenfelder bestätigt schliesslich: «Eine einseitige Ausrichtung gegen Osten und Süden ist nicht vorgesehen. Wir haben Pendlerströme in alle Richtungen: 43 000 Aargauerinnen und Aargauer pendeln in den Kanton Zürich zur Arbeit, rund 6000 nach Basel, rund 4200 ins Baselbiet, ebenso pendeln täglich Tausende zu uns in den Aargau.»

Grünenfelder weiter: «Im Raum Basel gibt es zahlreiche Organisationen der überregionalen Zusammenarbeit wie die Regio Basiliensis, die Ober- rheinkonferenz, den Eurodistrikt oder ‹metrobasel›. Unsere Partnerschaft mit der Nordwestschweiz bleibt bestehen und soll, um besser zu wirken, vermehrt konzentriert werden. Ein solch schrittweises Vorgehen der Zusammenarbeit mit beiden Metropolen stärkt den ganzen Raum Nordschweiz.»