Bundesanwaltschaft

Nebelpetarden und eine gefährliche Liaison im Hause Lauber

Immer mehr in Bedrängnis: Bundesanwalt Michael Lauber.

Immer mehr in Bedrängnis: Bundesanwalt Michael Lauber.

Warum langwierige und teure Fussball-Verfahren der Bundesanwaltschaft zu platzen drohen.

Am Freitag, 16. Juni 2017, fand in einem Sitzungszimmer des Berner Nobelhotels Schweizerhof jenes berühmt-berüchtigte Treffen statt, an das sich keiner der verbrieften Teilnehmer mehr erinnern will und von dem es kein Protokoll gibt. Weder Bundesanwalt Michael Lauber noch drei Walliser: Laubers Pressechef André Marty, Fifa-Präsident Gianni Infantino, dessen Vertrauter Rinaldo Arnold, Walliser Staatsanwalt.

Dabei gibt es Hinweise, dass sogar eine fünfte Person dabei war. Der «Schweizerhof» stellte neben der Pauschale für Raummiete und Getränke fünf «Snacks» in Rechnung, die vor Ort bestellt worden waren. Dies steht in der Disziplinarverfügung, die die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) Anfang März gegen den Bundesanwalt erlassen hat.

Ist der fünfte Teilnehmer der Grund, warum das diskrete Meeting «vergessen» werden musste? Wenn der fünfte Mann ein Mitglied der Bundesanwaltschaft war und operativ an Fussball-Strafverfahren beteiligt, dann sind die etwa 20 noch hängigen Fifa-Verfahren wohl wegen Befangenheit ruiniert, erhobene Beweise nicht mehr verwertbar. Wegen Kungelei mit der Privatklägerin Fifa.

Unter Verdacht, der fünfte Mann zu sein, geriet zunächst Oliver Thormann, ehemals Leiter Wirtschaftskriminalität der Bundesanwaltschaft. In Laubers Outlook-Agenda war er als Teilnehmer neben Lauber, Marty und Infantino eingetragen. Aber der heutige Bundesstrafrichter konnte mittlerweile mit einer Bordkarte belegen, dass er an ­jenem Freitag im Ausland war.

Thormann war’s nicht, wer dann? Laut Informationen der «Schweiz am Wochenende» und der «Süddeutschen Zeitung» kursiert in Justizkreisen der Name Cédric Remund. Das wäre der GAU für die Bundesanwaltschaft. Denn Staatsanwalt Remund war operativ in die Fussball-Verfahren in­volviert. Er vertritt derzeit die Anklage zum «Sommermärchen»-Prozess, der vor Bundesstrafgericht sistiert ist und platzen dürfte – die Vorwürfe verjähren am 27. April.

Remund war es auch, der im Jahr 2017 ein Verfahren einstellte, das die BA zum Fussballverband Uefa führte. Es ging um TV-Rechte, die die Uefa billig an korrupte südamerikanische Funktionäre verkauft hatte. Der Vertrag trug die Unterschrift von Gianni Infantino, damals Generalsekretär der Uefa. Doch die BA ermittelte, für viele erstaunlich, gegen «unbekannt».

Ist Remund der fünfte Mann, nahm er am Treffen am 16. Juni 2017 teil? Oder ein anderer, ­bisher nicht genannter BA-Vertreter?

Anstelle von Antworten auf diese und weitere Fragen schickt die BA den Journalisten eine Nebelpetarde zurück: «Die BA beteiligt sich nicht an Medienspekulationen. Vielmehr verweist die BA auf ihre bisherigen Stellungnahmen.» Welche Stellungnahmen sie meint, sagt sie auch auf Nachfrage nicht.

Weitere Recherchen zeigen, dass sich Remund im Schrift­verkehr zum «Sommermärchen»-Prozess soeben zum «fünften Mann» äusserte. Er werde in der Aufsichtsverfügung der AB-BA weder genannt noch thematisiert, daher «entpuppt» sich «die Mutmassung als falsch», er sei der «fünfte Mann».

Eine seltsam gewundene Formulierung. Jedenfalls kein explizites Nein. Warum nicht?

Dass es auch unzweideutig geht, zeigt der ehemaligen Staatsanwalt des Bundes Markus Nyffenegger, der 2017 Mitglied der Fussball-Taskforce war. Auf Anfrage hält er fest: «Ich war nie, auch nicht am 16. Juni 2017, an einem Treffen mit Infantino oder Arnold.»

Er ermittelt in Sachen Fussball, sie arbeitet für die Uefa

Recherchen fördern eine weitere Auffälligkeit im Hause Lauber zu Tage. Ein anderes tragendes Mitglied der Fussball-Taskforce ist mit einer Mitarbeiterin des Uefa-Rechtsdienstes verheiratet. Die Juristin arbeitete seit Ende 2014 unter Uefa-Generalsekretär Infantino – bis dieser 2016 Fifa-Präsident wurde.

Brisant ist dies, weil die Bundesanwaltschaft ab April 2016 zur Uefa ermittelte – wegen des Rechtevertrags, den Infantino unterzeichnet hatte.

Die Liaison wirft Fragen auf. Etwa: Stellte die Bundesanwaltschaft sicher, dass zwischen ihrem Mitarbeiter und seiner bei der Uefa tätigen Gattin, die einst unter Infantino arbeitete, keine Informationen zu Verfahren ausgetauscht wurden?

Auch derartige Fragen beantworten Laubers Leute nicht: «Die BA beteiligt sich nicht an Medienspekulationen.»

Nebelpetarden statt Antworten. Warum schweigt Laubers Truppe auch hier?

Ein Beobachter sagt, dass die Uefa-Liaison innerhalb der Bundesanwaltschaft bekannt war. Man habe derartige Konstellationen jeweils «bei der Fallzuteilung berücksichtigt». Ein anderer Insider hält dagegen, eine solche Trennung innerhalb der Fussball-Taskforce sei faktisch gar nicht möglich gewesen. Wenn jemand dort mitwirkte, sei er automatisch in die Vorgänge involviert gewesen.

Neue Ungereimtheiten um Lauber-Treffen

Es gibt immer mehr gefährliche Verbindungen und Abhängigkeiten im Hause Lauber. Und ­inzwischen tauchen neue Un­gereimtheiten auf.

Es geht um das erste bekannte Treffen von Lauber mit dem Oberwalliser Staatsanwalt Arnold. Es fand 2015 in Laubers Büro statt. Laubers Aufsichtsbehörde kam in ihrem Bericht zum Schluss, dass Arnold im Auftrag seines Freundes Infantino in ­Sachen Fussball-Verfahren sondierte. Laut «Walliser Bote» gibt Arnold nun aber an, es habe sich bloss um ein «informelles Vorstellungsgespräch» gehandelt.

So hätte sich Arnold bei Lauber um einen Job beworben - erfolglos. Selbst wenn diese neue Version stimmt, hat Lauber ein Problem mehr. Denn er hat der Aufsicht etwas anderes erzählt, worum es bei dem Treffen ging: um «allgemeine strafrechtliche Themen».

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