Reto Nause, wie haben Sie «Tanz dich frei» erlebt?

Reto Nause: Ich bin tief betroffen und schockiert. Ich war den ganzen Abend dabei. Ich habe am Anfang eine friedliche Stimmung erlebt und später in der Bundesgasse gesehen, was es heisst, wenn pure Gewalt ausbricht und die Konfrontation gesucht wird, nicht nur mit der Polizei, sondern auch mit Rettungskräften.

Innert einer Woche kam es in Bern zweimal zu Ausschreitungen, müssen Sie sich Vorwürfe machen?

Ich verstehe diese Vorwürfe. Allerdings haben wir im Vorfeld immer klar gesagt, man solle nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen. Solch eine Kundgebung kann man nicht verhindern, dass haben auch Staatsrechtler gesagt. Militante Kriminelle haben schliesslich den Staat herausgefordert. Unsere Antwort muss sein, diese Kriminellen zu bekämpfen und nicht die Entscheide der Behörden zu hinterfragen.

Der Gemeinderat trifft sich am Montag. Was wird besprochen?

Sicher wird es eine politische Einordnung der Ereignisse geben. Wir werden uns den ganzen Ablauf noch einmal schildern lassen und dann stellt sich die Frage, ob es politische Konsequenzen geben wird. Dieser Diskussion greife ich aber nicht vor,

War «Tanz dich frei» nun eine antikapitalistische Demonstration oder ging es um die Freiräume der Jugendlichen?

Beides, das hat man deutlich gesehen. Den friedlichen Teilnehmern ging es wahrscheinlich um das Nachtleben und Freiräume. Und dann hatten wir einige hundert Chaoten, denen es um den Angriff gegen den Staat ging. Diese Motive wurden vermischt. Die Chaoten haben gezielt den Schutz der Massen gesucht und die Massen missbraucht.

Ausschreitungen in Bern (Quelle: youtube/Nicolas Heinzelmann)

Ausschreitungen in Bern