Gleichstellung
Nationalrätin fordert zwei Wochen Urlaub für die Väter

EVP-Nationalrätin Streiff-Feller fordert eine Gesetzesänderung in der Familienpolitik: Männersollen künftig einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub erhalten.

Sarah Weber
Merken
Drucken
Teilen

Keystone

Nach der Forderung für ein Elterngeld kommt jetzt der nächste Vorschlag zum Thema Familienpolitik: Im Anschluss an die Geburt seines Kindes sollen jedem Vater zwei Wochen bezahlter Vaterschaftsurlaub zustehen. Dies verlangt die Berner EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-Feller in ihrer Motion.

«Gerade bei jüngeren Familien, die mehr Aufgaben teilen wollen, ist das ein Anliegen», so die Nationalrätin. Finanziert soll der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung – genau wie der obligatorische Mutterschaftsurlaub. Streiff-Feller greift tatsächlich ein Anliegen auf, dass in der Jugend Rückhalt findet. Denn: An der diesjährigen Jugendsession in Bern forderten die 200 Jungpolitiker ebenso einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub.

«WK-Tage auch bezahlt»

Unterstützung erhält die Berner Nationalrätin von SP-Nationalrat Roger Nordmann. Er begrüsst das Anliegen von Streiff-Feller und will bald selber erneut einen Vorstoss mit der Forderung nach einem Vaterschaftsurlaub einreichen. Und er ist zuversichtlich: «Das Bewusstsein für dieses Anliegen steigt immer mehr, ich denke, es bewegt sich bald etwas», sagt Nordmann.

Das Argument der schwierigen Finanzierbarkeit lässt er nicht gelten. Denn: Wenn die Unternehmen die WK-Tage in der Armee bezahlen könnten, warum dann nicht ein paar Wochen Vaterschaftsurlaub, so der Waadtländer Nationalrat.

Doch Streiff-Feller und Nordmann sind nicht die ersten Politiker mit diesen Anliegen. In den letzten Jahren gab es bereits verschiedene Vorstösse mit der Forderung nach einem Vaterschafts- oder Elternurlaub. Keiner hatte bisher eine Chance – Parlament und Bundesrat lehnten schliesslich immer wieder ab.

«Völlig verfehlt»

Mit einem bezahlten Vaterschaftsurlaub will Marianne Streiff-Feller auch die Arbeitgeber stärker in die Pflicht nehmen. Doch beim Arbeitgeberverband stösst das Anliegen auf taube Ohren. «Angesichts der Lage unserer Sozialwerke ist es völlig verfehlt, die Leistungen weiter auszubauen», sagt Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes.

Er ist der Meinung, dass sich familiäre Aufgaben für Männer über Teilzeitarbeit, unbezahlten Urlaub oder Ferien bereits lösen lassen. Zudem belaste die Arbeitgeber ja nicht nur der Lohnersatz während eines Vaterschaftsurlaubes, sondern auch der Ausfall des Arbeitnehmers, der in dieser Zeit keine Wertschöpfung für das Unternehmen leiste, so Daum.

Auf dem letzten Platz

Einzelne Arbeitgeber gewähren bereits einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub, jedoch freiwillig. Dies ist eher die Ausnahme, in den meisten Unternehmen sind einzelne Freitage die Regel oder allenfalls die Möglichkeit eines unbezahlten Urlaubs. Im internationalen Vergleich schneidet die Schweiz bei der Gleichstellung in der Familienpolitik schlecht ab. Unter anderem wegen des fehlenden Vaterschaftsurlaubs landet die Schweiz bei den 21 führenden Industrienationen in einer jüngst publizierten Studie des britischen «Fatherhood Institute» gar auf dem letzten Platz.