Parteikrise

Ulrich Giezendanner: «Vielleicht muss Blocher auch bei der SVP Schweiz eingreifen»

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner.

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner.

Nationalrat Ulrich Giezendanner (AG) beurteilt den SVP-Formstand kritisch – er hofft nun auf Christoph Blocher und dessen Tochter.

Sie verfassten ein Papier zur SVP-Krise. Zu welchem Urteil kommen Sie?

Ulrich Giezendanner: Zum Papier selbst sage ich nichts. Für mich sind die Erfolge der Tessiner SVP vom Wochenende ein Indiz, worauf die SVP wieder stärker achten muss. Die Tessiner SVP-Vertreter sind fast alles Handwerker, es gibt kaum Akademiker. Sie politisieren hart und bürgerlich, aber nicht beleidigend. Das müssen wir uns zu Herzen nehmen. Vor allem müssen wir die Sorgen der Leute wieder ernster nehmen.

Sie sagten mehrfach, die SVP müsste sich stärker um Gesundheitspolitik und Krankenkassen-Prämien kümmern.

Seit der Ära Toni Bortoluzzis interessiert die Gesundheitspolitik die SVP wenig. Ich brachte vor einem Jahr zwei Krankenkassen-Spezialisten auf das Generalsekretariat, um das Thema anzugehen. Doch es geschah nichts. Wir überliessen das Thema SP und CVP.

Nach der Wahlschlappe der Zürcher SVP griff Christoph Blocher ein. Muss er das auch bei der SVP Schweiz tun?

Mir persönlich ist Blochers kompetenter Einfluss äusserst wichtig. Und vielleicht muss er auch bei der SVP Schweiz eingreifen.

Braucht es einen neuen Präsidenten?

Nein. Ich stütze Albert Rösti. Er kommt gut an bei der Basis. Er muss aber noch an Ausstrahlung gewinnen und ein Strategie-Team um sich scharen. Ich hoffe aber, dass Blocher seine strategischen Kenntnisse auch auf nationaler Ebene wieder aktiv einbringt.

Wer soll sein Erbe übernehmen?

Ich hoffe sehr, dass Magdalena Martullo-Blocher intensiver als geistige Erbin ihres Vaters auftritt. Ihr Leistungsausweis als Unternehmerin ist herausragend. Damit hat sie in der Politik sehr hohe Glaubwürdigkeit. Ich zähle darauf, dass Blocher ihr nun noch seine einzigartigen politischen Fähigkeiten – Strategie und schnelles Denken – näher bringt. Dann wäre die SVP wieder gut aufgestellt für die nächsten 25 Jahre.

Martullo wird aber bereits als Nachfolgerin von Ueli Maurer gehandelt.

Wir brauchen sie jetzt unbedingt als kompetente Unternehmerin und Strategin in der Partei. Bundesrätin kann sie auch später noch werden. Sie sollte sich zuerst ihre politischen Sporen abverdienen, wie wir anderen alle auch.

Autor

Othmar von Matt

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