Karamellisierte Mehlwürmer, Pasta mit gegrillten Grillen oder eine Teigtasche mit gehackten Heuschrecken. Was den meisten Europäern nur schon beim Gedanken daran den Magen umdreht, will Isabelle Chevalley salonfähig machen.

Die Waadtländer Grünliberale meint es ernst: Im März lädt sie ihre Nationalrats-Kollegen zu einem Insekten-Apéro ins Bundeshaus ein. Ihr Ziel ist ökologisch: «Wenn alle Menschen Kühe essen würden, hätten wir auf der Welt schon heute keinen Wald mehr.» Die Weltbevölkerung und ihr Appetit auf Fleisch wächst, Alternativen müssen her.

Chevalley sagt, der Proteingehalt von Insekten sei gleich wie bei Fleisch. Nur brauche es zur Produktion viel weniger Land und Futtermittel: 10 Kilogramm Nahrung ergeben 9 Kilogramm Insekten, aber nur 1 Kilogramm Rind. Ein weiteres Plus: Die Produktion von Insekten stösst weniger Treibhausgase aus.

Bevor Schweizer ausserhalb der Tierhandlung Insekten kaufen können, bedarf es einer Gesetzesänderung. Mit einer Interpellation tastete Chevalley vor, sie fragte den Bundesrat, wieso der Verzehr von Insekten verboten ist und ob essbare Insekten als Protein-Alternative in Betracht gezogen werden sollen.

Der Bundesrat hat nun geantwortet: «Der Konsum von Insekten ist nicht verboten.» Wer in der Natur Ameisen sammelt, darf diese jederzeit essen. Auch wer Grillen privat züchtet, darf sie verspeisen.

Das Gesetz verbietet den Handel

Was das Gesetz verbietet, ist der Handel. Und der Bundesrat will dies nicht ändern: Es gebe noch keine Daten, die beweisen, dass die Insekten weder giftig sind noch dass sie bei häufigem Konsum die Gesundheit schädigen.

Chevalley ärgert sich über die Antwort. Sie fühle sich nicht ernst genommen. Dass Insekten ungefährlich seien, zeige die Erfahrung: «Über zwei Milliarden Menschen auf dieser Welt essen fast täglich Insekten.» Das Essen von Insekten sei eine Frage der Kultur. «Was wir alles aus dem Meer fischen und verspeisen – da kommen mir Insekten fast harmlos vor.» Nun plant sie einen weiteren Vorstoss. Sie will, dass Schweizer Insekten als Lebensmittel kaufen und essen können.

Unterdessen arbeitet Entomonde an einer Zuchtbox für Insekten. Da im privaten Rahmen sowohl gezüchtet als auch gegessen werden darf, wollen die drei Jungunternehmer von Entomonde das dem probierfreudigen Publikum auch ermöglichen. Man kann Grillen und Heuschrecken in der Box halten und mit Rüebli und Apfelschale füttern, bis sie selbst reif für den Teller sind.