FDP-Frauen enttäuscht

Nationalrätin Doris Fiala: «Wir haben schon zu viele Frauen verbraten»

Doris Fiala, Präsidentin FDP Frauen Schweiz und Zürcher Nationalrätin

Doris Fiala, Präsidentin FDP Frauen Schweiz und Zürcher Nationalrätin

Wieder keine freisinnige Bundesrätin: Doris Fiala, Präsidentin der FDP Frauen, ist frustriert und fordert Konsequenzen

Doris Fiala ist aufgebracht: Die Niederlage Isabelle Morets macht der Präsidentin der FDP Frauen spürbar zu schaffen. Die Zürcher Nationalrätin spricht wie ein Wasserfall – und findet doch deutliche Worte.

Isabelle Moret blieb gegen Ignazio
Cassis chancenlos und selbst klar hinter Pierre Maudet zurück. Ein schwarzer Tag für die Frauen?

Doris Fiala: Ich stimme Ihnen zu. Auch wenn die Schweiz mit Ignazio Cassis einen guten und würdigen Bundesrat erhält: Es ist mehr als bloss ein Wermutstropfen, dass es uns erneut nicht gelungen ist, eine freisinnige Frau ins Amt zu bringen. Wir FDP-Frauen warten bereits seit 28 Jahren. Es wird schwierig, ohne Tatbeweis die FDP weiterhin glaubwürdig in Gesellschaftsfragen fortschrittlich zu positionieren.

Sind Sie vom Abschneiden Morets enttäuscht?

Ich hätte mir mehr Stimmen erhofft. Doch trotz ihrer Nichtwahl hat Moret gesellschaftspolitische Geschichte geschrieben: Erstmals hat eine Frau mit schulpflichtigen Kindern für den Bundesrat kandidiert. Sie hat für viele alleinerziehende Frauen und Männer ermutigende Signale gesetzt.

Naja. Sie ist die Verliererin des Tages.

Ich kann Ihnen nicht widersprechen. Und weil wir in den letzten drei Jahrzehnten schon viel zu viele Frauen verbraten haben, fordere ich die FDP auf, beim nächsten Mal ein weibliches Ticket zu lancieren.

Zufriedenheit und Enttäuschung bei Isabelle Moret

Zufriedenheit und Enttäuschung bei Isabelle Moret

  

Haben Sie Angst, sonst wieder übergangen zu werden?

Das würde ich den Männern in unserer Partei nicht raten. Die FDP-Spitze soll nur weibliche Kandidaturen zulassen, wenn im nächsten oder übernächsten Jahr die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann zu bestimmen ist. So, wie jetzt nur Kandidaturen aus der lateinischen Schweiz erwünscht waren.

Fänden sich denn überhaupt zwei Deutschschweizer FDP-Frauen, die in den Bundesrat wollen?

Ich gehe davon aus, kann es aber nicht garantieren. Klar ist: Mit Ständerätin Karin Keller-Sutter, Parteipräsidentin Petra Gössi und den Nationalrätinnen Christa Markwalder und Regine Sauter haben wir valable, in Bern politisierende Kandidatinnen. Zudem gibt es mit der Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh sowie der früheren Urner Nationalrätin und Fraktionschefin Gabi Huber zwei gute Alternativen von ausserhalb.

Hätten diese Frauen bessere Chancen als Isabelle Moret?

Das hängt auch davon ab, wie verlässlich sich die Sozialdemokraten verhalten. Vor Bundesratswahlen forderten sie uns jeweils lauthals auf, eine Frau zu stellen.
Bei der SP klaffen Worte und Taten oft auseinander. Die Partei verspielt so ihre Glaubwürdigkeit als feministische Kraft.

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Sie machen es sich sehr einfach, wenn Sie der SP die Schuld zuweisen. Die FDP stellte in 169 Jahren Regierungszugehörigkeit eine einzige Bundesrätin, die SP in 68 Jahren immerhin deren drei.

Dieser Vergleich hinkt, er ist in der Sache falsch, denn die FDP hat ja die SP-Bundesrätinnen jeweils gewählt und die Konkordanz respektiert. Es reicht nicht, wenn die Juso medienwirksam ihre Büstenhalter verbrennen – die jungen Frauen sollten ihre Mutterpartei ins Gebet nehmen.

Noch einmal: Kehren Sie vor der eigenen Tür. In der 55-köpfigen Bundeshausfraktion der SP sind 28 Frauen, in der 46-köpfigen FDP-Fraktion aber nur 8 Frauen.

Es stimmt: Die Frauenförderung innerhalb der FDP muss besser werden. Wir haben offensichtlich ein Trilemma: Zurzeit zieht eine junge Frau, die in den Genuss einer guten Ausbildung gekommen ist, die Karriere und gegebenenfalls die Familienplanung einer politischen Karriere vor. Ich kann dies nachvollziehen, weil die Chancen einer Frau, in der FDP an die Spitze nach Bundesbern zu kommen, in den letzten Jahrzehnten gering waren.

Nach dem schlechten Wahlkampf Morets dürfte Ihre Aufgabe, Kolleginnen zu Kandidaturen zu motivieren, nicht leichter werden.

Isabelle Moret hatte in ihrem Kanton das beste Resultat aller Nationalräte gemacht. Dieses Meisterstück hat sie in Bern nicht wiederholt.

Die Medien sind schuld?

Nein. Moret litt auch darunter, dass Pierre Maudet einen exzellenten Wahlkampf hingelegt hat und den Tessiner Sitzanspruch kaum jemand infrage stellen möchte.

Dann wurde Moret medial gar nicht zu hart angefasst, wie sie sich selbst beklagt hat?

Aus meiner Sicht nicht. Die rote Linie wäre erst überschritten gewesen, wenn Medien aus den Gerichtsakten ihres Sorgerechtsstreits zitiert hätten. Das ist nicht geschehen.

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