Nach dem am Abend veröffentlichten Endergebnis kam Eroglu auf 50,38 Prozent der Stimmen und entschied damit bereits im ersten Durchgang die Wahl gegen Amtsinhaber Mehmet Ali Talat für sich. Der bisherige Amtsinhaber Talat kam auf 42,8 Prozent der Stimmen. Da Eroglu bereits im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erzielte, entfällt eine Stichwahl.

"Niemand soll denken, dass ich den Verhandlungstisch verlasse, die Vorgespräche werden fortgesetzt", sagte Eroglu dem türkischen Nachrichtensender NTV. Er werde sich für eine Lösung einsetzen, "welche die Rechte meiner Gemeinschaft berücksichtigt". Dabei werde er "im engen Dialog mit dem Vaterland" Türkei vorgehen.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan forderte Eroglu auf, die Friedensgespräche mit den zyprischen Griechen fortzusetzen. Darin liege ein Grundsatz der türkischen Politik, sagte er NTV. Die 2008 begonnenen Gespräche über eine Wiedervereinigung kommen nur schleppend voran.

Der 72-jährige Eroglu, Vorsitzender der konservativen Nationalen Einheitspartei (UBP), ist derzeit Regierungschef der nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik Nordzypern. Er ist bisher für eine Zwei-Staaten-Lösung eingetreten, die der griechische Süden der Insel ablehnt.

Nach Einschätzung von Beobachtern dürfte Eroglu diese Position jedoch nicht aufrechterhalten können. Die Türkei verlangt vor dem Hintergrund ihrer EU-Beitrittsbemühungen eine Fortsetzung des Aussöhnungsprozesses auf Zypern, das seit dem 1. Mai 2004 EU-Mitglied ist.

Nach einem Putsch griechischer Nationalisten waren 1974 türkische Truppen im Norden der Insel einmarschiert. Noch heute sind in Nordzypern rund 35'000 türkische Soldaten stationiert.