In dieser Woche wertete sich der Franken um rund 7 Prozent ab. Am Freitag kostete der Euro 1.05 Franken, nachdem er eine Woche davor noch unter einem Franken gelegen war. Gemäss Recherchen der «Schweiz am Sonntag», die sich auf SNB-nahen Kreise beruft, operiert die Nationalbank mit einer Art inoffiziellem Euro-Mindestkurs.

Von einem «Korridor» von 1.05 bis 1.10 Franken ist die Rede. Dieses Ziel, das nicht nach aussen kommuniziert wird, lässt sich die Nationalbank einiges kosten: Verluste bis zu 10 Milliarden Franken dürften in Kauf genommen werden, sagt eine gut unterrichtete Quelle.

Widmer-Schlumpf war informiert

Die Nationalbank ist zwar unabhängig von der Politik, doch es gibt natürlich Kontakte zwischen der SNB und den Bundesbehörden. Gemäss verlässlichen Quellen wurde Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf eineinhalb Stunden vor der Freigabe des Frankenkurses am 15. Januar darüber informiert. Widmer-Schlumpf war es, die darauf in der «Schweiz am Sonntag» vom 18. Januar als erstes Bundesratsmitglied öffentlich eine konkrete Zahl nannte, indem sie sagte: «Mit einem Kurs von 1.10 Franken pro Euro könnten sich die Schweizer Unternehmen arrangieren.» Damit setzte sie – die mit der SNB in direkten Gesprächen stand – ein gezieltes Signal. Sie sprach aus, was SNB-Präsident Thomas Jordan und die beiden anderen Direktoriumsmitglieder selbst nicht sagen durften.

Wie weit die SNB bei ihren Interventionen geht, hängt auch vom weiteren Konjunkturverlauf ab. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH prognostiziert für das Sommerhalbjahr 2015 eine kurze Rezession. SNB-intern ist man zuversichtlich, dass es nicht so weit kommt.