Nasser Sommer
In der Notunterkunft statt im Zelt: Unwetter verhageln den Kindern das Pfadi-Sommerlager

In vielen Kantonen laufen gerade die Sommerlager von Pfadi, Jubla und anderen Organisationen. Ausgerechnet jetzt spielt das Wetter verrückt. An einen Abbruch mag aber kaum jemand denken.

Dominic Wirth
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In Risch-Rotkreuz hat diese Woche das grösste Jubla-Lager des Landes begonnen - unter erschwerten Bedingungen.

In Risch-Rotkreuz hat diese Woche das grösste Jubla-Lager des Landes begonnen - unter erschwerten Bedingungen.

Bild: Jungwacht Blauring Luzern

Sie gehören zu den ersten Wochen der Sommerferien wie das Glacé: Die Sommerlager. Gerade herrscht Hochsaison. Pfadi, Jubla und Cevi veranstalten im ganzen Land hunderte Lager. Tausende Kinder verbringen die Tage im Freien. Schlafen in vielen Fällen im Zelt. Sind weit weg von den Eltern, vielleicht zum ersten Mal. Und ausgerechnet jetzt ist da dieses Wetter, das einfach nicht mitspielt. Die Regenfälle, zuweilen sintflutartig. Die heftigen Gewitter.

Adrian Elsener ist der Geschäftsleiter der Pfadibewegung Schweiz, Pfadiname: Dento, so steht es in auch in der E-Mail-Signatur. Laut Elsener laufen im ganzen Land gerade rund 400 Pfadilager. Er sagt, man sei sich durchaus daran gewöhnt, dass es auch einmal regnen kann. «Aber die aktuelle Situation ist natürlich besonders», so Elsener.

Adrian Elsener, Geschäftsführer der PBS (Pfadibewegung Schweiz), aufgenommen an einem vergangenen sonnigen Tag.

Adrian Elsener, Geschäftsführer der PBS (Pfadibewegung Schweiz), aufgenommen an einem vergangenen sonnigen Tag.

Maria Schmid

Die Nacht in der Notunterkunft statt im Zelt

Jede Pfadi und jede Jubla-Schar pflegt eine eigene Sommerlager-Tradition. Oft finden diese im Freien statt. Wenn es hagelt, blitzt oder stürmt, steht eine Notunterkunft bereit. Zum Beispiel die nahe Scheune des Bauern, der die Wiese für das Zelt zur Verfügung stellt. Oder die Zivilschutzanlage der Gemeinde.

Adrian Elsener sagt, er wisse von Gruppen, die in den letzten Tagen in die Notunterkunft ausweichen mussten. Ähnlich klingt es bei der Jubla, der Jungwacht Blauring, die laut Co-Geschäftsleiterin Andrea Pfäffli diesen Sommer ungefähr 400 Lager ausrichtet - die meisten diese und nächste Woche. Es gebe «eine Handvoll» Lager, von denen man wisse, dass sie in einer Notunterkunft übernachten mussten, so Pfäffli. Andere helfen sich etwa mit dem Ausheben von Wassergräben.

Der Umgang mit dem Wetter gehört zum Pfadi-Leben

In Risch-Rotkreuz am Zugersee findet gerade das grösste Jubla-Sommerlager der Schweiz statt. 2500 Teilnehmer sind dort gestern eingetroffen; sie gehören zu 40 Scharen aus dem Kanton Luzern. Marcel Niederberger vom Organisationskomitee sagt, noch seien alle frohen Mutes. «Ein wenig Schlamm schadet nicht», sagt Niederberger, «wenn aber die trockenen Unterhosen ausgehen, kann das schon auf die Stimmung drücken».

Verregneter Aufbau der Zeltstadt: Teilnehmer des Jubla-Lagers in Risch-Rotkreuz.

Verregneter Aufbau der Zeltstadt: Teilnehmer des Jubla-Lagers in Risch-Rotkreuz.

Bild: Jungwacht Blauring Luzern

Am Dienstag bauen die Scharen ihre Zeltstadt auf - unter erschwerten Bedingungen, weil sich auf den Wiesen teilweise schon Seen gebildet haben. An einen Abbruch des Lagers mag Niederberger nicht denken, das sei kein Thema. Auch Adrian Elsener sagt, die Pfadi finde nun einmal draussen statt, «es gehört dazu, mit dem Wetter umzugehen». Widrige Umstände könnten auch verbinden. Er wisse von keinem Lager, das abgebrochen worden sei.

Laut Andrea Pfäffli mussten vereinzelt Jubla-Lager abgebrochen werden. Diese werden nun in der Heimatgemeinde weitergeführt - mit einem lokalen Tagesprogramm.

Grosse Verantwortung für die Lagerleitenden

Wenn das Kind ins Sommerlager geht, ist das auch für die Eltern eine besondere Erfahrung. Das Handy ist nur teilweise erlaubt - oder gar ganz verboten. Informationen gibt es stattdessen über den Lagerblog. Dort klingt es dann zum Beispiel so wie auf dem Blog des Blaurings Baden, Eintrag vom Dienstagmorgen, 01:05 Uhr: «Heute gewittert es bei uns auf dem Lagerplatz sehr stark. Wir sind alle sicher und es geht allen gut. Die Nacht verbringen wir in der Notunterkunft».

Die Kinder in der Obhut, das Unwetter im Anmarsch: Wie gehen die Lagerleiter mit dieser Verantwortung um? Andrea Pfäffli sagt, sie seien für solche Situationen ausgebildet, hätten entsprechende Aus- und Weiterbildungen von J+S besucht. Daneben gebe es ein Krisenteam und den Erfahrungsschatz ehemaliger Mitglieder, der stets zur Verfügung stehe. Zudem bewähre sich nun die nationale Vorgabe, eine Notunterkunft zu buchen. Dennoch hofft Pfäffli sehr, dass es bald schöner wird - «gerade auch für die Kleinen, die ihr erstes Lager erleben».