Die ist ein prächtiges Wandergebiet und gerade jetzt, wo im Mittelland Bruthitze herrscht, bei Touristen äusserst beliebt: Die Gegend unterhalb des Piz Segnas, wo am Samstag gegen 17 Uhr die Ju-52 abgestürzt ist, liegt auf dem Gemeindegebiet von Flims (GR), aber unweit der Grenze zum Kanton Glarus.

Der Piz Segnas ist einer von mehreren Berggipfeln, die zum Weltnaturerbe der Tektonikarena Sardona gehören. Zum Wandern wunderschön – und wohl auch zum Drüberfliegen. Der Absturzort befindet sich auf 2540 Metern. Es gebe mehrere Augenzeugen des Unglücks, sagte Andreas Tobler von der Kantonspolizei Graubünden gestern an einer Medienkonferenz in Flims.

Ju-52-Absturz: Das sind die ersten Untersuchungsergebnisse

Ju-52-Absturz: Das sind die ersten Untersuchungsergebnisse

Die Unfalluntersuchung im Fall der abgestürzten Ju-52-Maschine bei Flims, bei der 20 Personen ums Leben kamen, ist komplex und wird lange dauern. Trotzdem gibt es schon erste Ergebnisse über den Unfallhergang und mögliche Ursachen, wie Daniel Knecht von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle am Sonntag vor den Medien ausführte.

Auch von ihnen erhofft man sich Antworten auf die Frage: Wie konnte es passieren, dass erstmals überhaupt eine (von insgesamt drei) «Tante Ju» der Dübendorfer Ju-Air verunglückte? Gesichert waren bis gestern Abend folgende Informationen:

Die Opfer: 11 Männer und 9 Frauen aus den Kantonen Zürich, Thurgau, Luzern, Schwyz, Zug und Waadt sowie aus Österreich stammend. Sie waren zwischen 42- und 84-jährig. Die Passagiere hatten ein Angebot der Ju-Air gebucht: Ein Flug von Dübendorf nach Locarno ins Tessin, dort gab es ein Programm, am Tag darauf der Rückflug.

Einige der Passagiere haben sich gekannt. Noch sind nicht alle Opfer geborgen. Laut Kantonspolizei werden dafür noch mehrere Tage benötigt. Ein Gebirgsdetachement der Luftwaffe ist vor Ort im Einsatz.

Die Besatzung: Laut Ju-Air-Chef Kurt Waldmeier waren die Piloten «sehr erfahren». Beide Kapitäne – 62- und 63-jährig – hätten je über dreissig Jahre Erfahrung als Linienpiloten bei der Swissair und der Swiss verfügt. Fast so lange seien sie auch als Militärpiloten tätig gewesen.

Der eine Pilot flog seit 2004 regelmässig den Flugzeugtyp Ju-52 und hatte damit 943 Flugstunden gesammelt. Die Piloten hinterlassen ihre Lebenspartnerinnen, der eine Pilot zudem zwei Söhne. Die Flight Attendant war 66-jährig und hinterlässt ihren Lebenspartner.

Die ganze Pressekonferenz der Kantonspolizei Graubünden können Sie hier nachschauen: 

Absturz der «Tante Ju»: Die Kapo Graubünden informiert

Absturz der «Tante Ju»: Die Kapo Graubünden informiert

Am Samstagnachmittag ist am Piz Segnas eine Junkers Ju-52 abgestürzt. Beim nahezu senkrechten Absturz kamen alle 20 Personen ums Leben.

Die Unglücksmaschine: Die dreimotorige Ju-52 war 79 Jahre alt und seit 1983 zivil für die Ju-Air im Einsatz, davor flog sie für die Luftwaffe; diese musterte ihre drei «Tante Ju» nach über 40-jährigem Betrieb 1981 aus. Mit Spendengeldern ermöglichte der Verein «Freunde der schweizerischen Luftwaffe» den Erhalt der Flugzeuge.

Die abgestürzte Maschine war gemäss Ju-Air insgesamt 10 187 Stunden in der Luft. Auch wegen ihres Alters sei sie technisch streng kontrolliert worden. «Alle 35 Flugstunden wurde sie gewartet», sagte Airlinechef Waldmeier. Letztmals Ende Juli: «Uns waren keine technischen Probleme bekannt.» Der Hinflug von Dübendorf ZH nach Locarno vom Freitag sei ganz normal durchgeführt worden.

Der Rückflug: Die «Tante Ju» startete am Samstag um 16.10 Uhr in Locarno. Die Piloten fliegen bei dieser Maschine nach Sicht, mithilfe von Karten und halten die Mindesthöhe und -abstände zu den Wolken gewissermassen manuell ein. «Die genaue Route und die Flughöhen werden von den Piloten bestimmt», erklärte CEO Waldmeier.

Er habe keinerlei Hinweise darauf, wie es zum Unglück kam. Die Ju-Air stellt den Betrieb bis auf weiteres ein. Ob die anderen beiden Flieger je wieder starten, konnte Waldmeier am Sonntag nicht sagen. Es sei der «schwierigste und schwärzeste Tag» für die Ju-Air. Er habe alles Interesse an der Aufklärung: «Damit ein solcher Unfall nie mehr geschehen kann.»

Rettungseinsatz nach Flugzeugabsturz der «Tante Ju» in Flims

Rettungseinsatz nach Flugzeugabsturz der Tante Ju in Flims

Die Bergungsarbeiten in Flims nach dem Absturz der JU52 HB-HOT der Ju-Air. Hier landet ein Rettungshelikopter beim Stützpunkt der Feuerwehr Flims. Auch ein Armeehelikopter ist im Einsatz (rechts).

Ausschlussgründe: Daniel Knecht von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) sagte, das Flugzeug sei «nahezu senkrecht» in den Boden gekracht. Auszuschliessen sei eine Kollision mit einem anderen Fluggerät oder mit einem Kabel, und es gebe auch keine Hinweise darauf, dass das Flugzeug Teile verloren habe oder gar auseinandergebrochen sei. «Es war ein altes Flugzeug ohne Aufzeichnungsgeräte, darum wird die Abklärung relativ komplex.» Zudem gebe es im Gebirge wenige Radaraufzeichnungen.

Der Faktor Hitze

Man weiss also, was es nicht war. Doch was wären mögliche Unglücksursachen? Einer der anwesenden ausländischen Journalisten, ein RTL-Reporter, warf die Frage nach der Hitze auf. Könnten die ungewöhnlich hohen Temperaturen die Maschine oder die Arbeit der Piloten beeinträchtigt haben?

Bilder vom Absturz des Crossair-Flugs CRX 3597 vom 24. November 2001:

Daniel Knecht von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) antwortete, grundsätzlich seien hohe Temperaturen «eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit eines Flugzeugs». «Ursächlich kann die Hitze selbst nicht sein, sondern allenfalls der Umgang mit ihr.» Bei erhöhten Temperaturen würden erfahrene Piloten beispielsweise weniger hoch fliegen oder die Ladung verringern, um auf die tiefere Leistungsfähigkeit der Maschine zu reagieren. «Oder aber die Flugtaktik anpassen.»

Der Faktor Mensch

Die Fliegerei im Gebirge ist generell sehr anspruchsvoll. Nicht nur die Topografie, auch Scher- und Fallwinde machen das Fliegen im Vergleich zum Flachland viel schwieriger. Ein Flugunfallexperte, der nicht namentlich zitiert werden möchte, sagt: «Zu 95 Prozent sind Abstürze im Gebirge auf Pilotenfehler zurückzuführen.»

Der Newsticker der Pressekonferenz zum Nachlesen: