Ausstellung
Nagra rührt in Sachen Atomendlager jetzt mit der grossen Kelle

Mit einer morgen beginnenden Ausstellung im Hauptbahnhof Zürich will die Nagra der Bevölkerung zeigen, wie es im Opalinuston aussieht. Es ist die grösste Kampagne, seit die Schweiz nach Standorten für ihren Atommüll sucht.

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Der aufwändig gedrehte Trailer für die Erlebnisausstellung «Time Ride» ist mit dramatischer Musik unterlegt. Immer wieder rückt das Sujet eines versteinerten Ammoniten – eines ausgestorbenen, schneckenartigen Getiers, das im Meer lebte – ins Bild.

Das in Opalinuston versteinerte Tier soll laut Heinz Sager, Mediensprecher der «Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle» (Nagra), als Symbol für die sichere Lagerung der Abfälle dienen. «Wir wollen unseren Besuchern zeigen: Dort unten steht die Zeit still.»

«Time Ride» ist Teil einer grossen Kampagne, der Grössten, welche die Schweiz zum Thema je gesehen hat, seit sie nach einem Endlager für radioaktive Abfälle sucht. Und die Stromproduzenten lassen sie sich was kosten: Fürs laufende Jahr wurde das Kommunikationsbudget der Nagra um 50 Prozent oder um 1,5 Millionen Franken erhöht. 97 Prozent davon übernehmen die AKW-Betreiber, 3 Prozent übernimmt der Bund.

Standortsuche eingrenzen

Alleine können die Nagra-Verantwortlichen Kampagne und Ausstellung nicht bewerkstelligen, weshalb sich verschiedene Partner engagieren. Darunter die Agenturen Advico aus Zürich und MACH aus Baden. Um die aufwändige Ausstellung, die ab morgen Freitag im Hauptbahnhof Zürich zu besuchen ist, kümmert sich die Zürcher Agentur Bellprat Associates.

«Time Ride»: Daten und Standorte

- 13. bis 15. April im Hauptbahnhof Zürich
- 27. April bis 6. Mai an der BEA in Bern
- 21. bis 30. September an der Züspa in Zürich
- 24. bis 28. Oktober an der Schaffhauser Herbstmesse
- 28. November bis 02. Dezember an der Winti Mäss in Winterthur

Die Nagra steht in Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager. Das Ziel: Die Standorte möglicher Lager radioaktiver Abfälle weiter einzuengen. «Dazu wollen wir unbedingt die Bevölkerung miteinbeziehen», erklärt Sager. Nach vier Jahren sollen die heute sechs Standorte auf «mindestens zwei» reduziert werden.

Doch niemand will den Müll, den Atomkraftwerke, Medizin, Forschung und Industrie verursachen. Es ist theoretisch also möglich, dass auch in vier Jahren noch immer über dieselben sechs Standorte diskutiert und gestritten wird. (dfu)