Nagra
«Nagra lässt zu viele Fragen offen»

Gegner eines Atommüll-Endlagers im Bözberg legten in Brugg ihre Argumente dar: Der Verein Kaib (Kein Atommüll im Bözberg) und die Energiestiftung informierten über Risiken eines Atommüll-Lagers im Bözberg. Sie wollen eine Schweizer Lösung, die vorgeschlagene ist ihnen aber noch nicht ausgereift genug.

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Sabine von Stockar von der Schweizer Energiestiftung (SES) informierte im Brugger Salzhaus. Sowohl Vereinsmitglieder und Sympathisanten als auch Mitarbeiter der Nagra und des Bundesamtes für Energie hörten ihr zu.

Sabine von Stockar von der Schweizer Energiestiftung (SES) informierte im Brugger Salzhaus. Sowohl Vereinsmitglieder und Sympathisanten als auch Mitarbeiter der Nagra und des Bundesamtes für Energie hörten ihr zu.

Stefanie Niederhäuser

Der Anlass stiess auf reges Interesse. Sowohl Vereinsmitglieder und Sympathisanten als auch Mitarbeiter der Nagra und des Bundesamtes für Energie fanden sich am Donnerstagabend im Brugger Salzhaus ein. Zum Einstieg informierte Sabine von Stockar, Projektleiterin bei der Schweizer Energiestiftung SES, über das von der Nagra vorgeschlagene Atommüll-Lagerungskonzept.

«Atommüll ist nicht beseitigbar. Er strahlt über 1 Million Jahre.», erklärte sie. Weltweit werde nach einer Lösung zu seiner Lagerung geforscht, eine befriedigende sei bisher aber nicht gefunden worden. «Mit dem Lagerungskonzept der Nagra erklärte der Bundesrat das Problem als technisch gelöst. Hinter diese Aussage setze ich ein grosses Fragezeichen», so die Expertin.

Noch sei unklar, welche Auswirkung die abgestrahlte Wärme des Atommülls auf die Geologie hätte, die Fachleute seinen sich uneinig, welches Verpackungsmaterial geeignet sei. «Der Zeitraum von 1 Mio. Jahren, für den eine sichere Lösung gefunden werden muss, ist für uns unvorstellbar. Wir können nicht abschätzen oder voraussehen, was in dieser Zeit alles geschehen wird», sagte von Stockar.

Gefahrenherde

Naturereignisse wie Erdbeben oder eine Eiszeit, leckes Material oder Untergrundkonflikte könnten nicht ausgeschlossen werden, erklärte sie. Für die SES sei deshalb klar, dass es keine Scheinlösung nach dem Prinzip «Vergraben und vergessen» geben dürfe. «Atommüll muss kontrollier- und rückholbar sein», forderte sie.

Ungeklärt sei zudem die Finanzierung des Lagers. «Zum Bau des Lagers werden noch ungefähr 6 Mrd. Franken zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: Die Neat kostet 25 Mrd. Franken. Für die Überwachung oder – im Notfall – eine Rückholung ist kein Geld vorgesehen. Die Frage bleibt also: Wer soll das bezahlen?»

Weiter bemängelte von Stockar, dass sich mit der Nagra keine unabhängige Forschungsstelle intensiv mit dem Problem auseinandersetze. Sie betonte: «Wir wollen und müssen eine Lösung suchen, und zwar hier in der Schweiz. Aber wir wollen eine ausgereifte Lösung. Das Nagra-Konzept lässt zu viele Fragen offen, deshalb wehren wir uns dagegen.»

Sichere Lösung suchen

Anschliessend informierte Kaib-Co-Präsidentin Elisabeth Burgener aus Gipf-Oberfrick über die Haltungen des Vereins. Sie führte aus, dass der Kanton Aargau mit den Kernkraftwerken und den Autobahnen schon genug Lasten für die Schweiz trage, ein Endlager im Bözberg nicht mit dem Projekt «Jurapark» vereinbar sei und dass es eine politische und nicht die wissenschaftlich beste Lösung wäre.

«In anderen Regionen kämpfen sogar die Regierungen gegen ein Endlager. Wenn wir uns nicht wehren, wird es letztlich dort gebaut, wo der Widerstand am geringsten ist und nicht dort, wo es am sichersten wäre», befürchtet sie.

Kritische Fragen

In der Diskussionsrunde wurden auch kritische Fragen diskutiert. «Wenn kein Atomlager im Bözberg – wo dann?», fragte ein Anwesender. Und ein anderer merkte an: «Keiner will das Endlager, das ist klar, aber wir verursachten den Müll, also müssen wir ihn auch entsorgen. ‹Regiönligeist› ist fehl am Platz, wenn es um eine sichere Lösung geht.» Es gehe nicht darum, das Problem auf andere Regionen abzuwälzen, betonte der Vorstand des Vereins. Man arbeite stark mit den Gegnern in anderen Regionen zusammen. «Wir wollen bewirken, dass das Konzept überdacht wird und offene Fragen geklärt werden, bevor man Schritte zu seiner Realisierung plant.»