Atommüll
Nagra-Chef Ernst ist sich keines Fehlers bewusst

Das Bundesamt für Energie zitiert die Nagra-Spitze nach Bern. Deren Chef ist sich keiner Fehler bewusst. «Ehrlich gesagt: Ich wüsste nicht, was ich hätte anders machen müssen», sagt Thomas Ernst.

Lorenz Honegger
Merken
Drucken
Teilen
Nagra-Geschäftsführer Thomas Ernst.

Nagra-Geschäftsführer Thomas Ernst.

Keystone

Die Kontroverse um eine vertrauliche Powerpoint-Folie der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) spitzt sich zu: Das Bundesamt für Energie (BFE) teilte gestern mit, die Nagra-Geschäftsleitung müsse noch diese Woche in Bern antraben. Das BFE will von den Verantwortlichen wissen, warum Bözberg (AG) und Benken (ZH) auf der Folie als künftige Standorte für Atommüll-Lager aufgeführt sind, obwohl das Auswahlverfahren noch im vollen Gang ist. Das Dokument gelangte am Wochenende über die Sonntagspresse an die Öffentlichkeit.

Nagra-Geschäftsführer Thomas Ernst ist sich keines Fehlers bewusst. «Ehrlich gesagt: Ich wüsste nicht, was ich hätte anders machen müssen. Sie können auch von einem Nagra-Geschäftsführer nicht verlangen, dass er jedes interne Dokument jederzeit gelesen hat», sagt er im Gespräch mit der «Nordwestschweiz».

Ernst bedauert, dass die Folie mit den Gebietsnamen nach aussen gelangt ist, betont aber, das darauf beschriebene Szenario mit Bözberg und Benken als Lagerstandorten sei nur eine von mehreren Möglichkeiten. Im vorliegenden Fall habe eine Gruppe von Nagra-Fachleuten die zwei Orte zur Berechnung des künftigen Mittelbedarfs des Entsorgungsfonds für radioaktive Abfälle verwendet.

«Das Vertrauen wird durch diesen Vorfall sicher erschwert», sagt der Aargauer Baudirektor Peter C. Beyeler zur Tiefenlager-Suche. Es werde Diskussionen geben, «aber ein solches Papier darf nicht die regionale Partizipation ausser Kraft setzen», betont Beyeler. Andernfalls wären die Beteiligten zu Recht vor den Kopf gestossen.