Die Lehrerinnen und Lehrer haben sich mit einem Paukenschlag in die Sommerferien verabschiedet: Ihr Dachverband fordert bis 20 Prozent mehr Lohn. Es ist das Recht jeder Berufsgruppe, für ihre Interessen zu kämpfen - auch für mehr Lohn. Dabei ist es üblich, mit einer hohen Forderung in die Diskussion zu steigen. Wer jedoch das Mass für das Machbare derart sprengt, der zeigt, dass er noch nie in der Privatwirtschaft gearbeitet hat. Es wäre undenkbar, dass etwa die Bauarbeiter oder die Pharma-Angestellten eine solche Forderung stellen würden.

Und doch: Es wäre zu einfach, die Forderung mit dem abgelutschten Ausspruch abzutun, die Lehrer hätten ja 13 Wochen Ferien und sollen sich bitteschön nicht beklagen. Wer mit Lehrern spricht, erkennt rasch, dass in diesem Beruf einiges nicht zum Besten steht. Die Frage lautet bloss: Liegt es am Geld? Sind nicht andere Probleme drückender?

Die Selbstverantwortung. Wer sich an die eigene Schulzeit erinnert, der denkt an Lehrerinnen und Lehrer, die den Unterricht durch ihre Persönlichkeit prägten, die eigene Erfahrungen einfliessen liessen und die Stunden individuell gestalteten. Heute gelten starre Strukturen, Reglemente, Vorschriften, ständig neue Reformen. Das schränkt den Gestaltungsspielraum des einzelnen Lehrers ein. Dazu kommen unmögliche Eltern, die meinen, sie wüssten besser, wie der Lehrer seinen Job machen müsste. Und Ausländerkinder, die unsere Sprache derart schlecht beherrschen, dass ein Lehrer nicht viel ausrichten kann.

Das Risiko. Jeder Schulausflug kann die Karriere beenden. Nach dem tödlichen Sturz eines 12-Jährigen am Heimattag der Schule Frick ermittelt die Staatsanwaltschaft. Im Turnen lässt der Lehrer ein Kind besser vom Reck fallen, statt es aufzufangen - um nicht der sexuellen Belästigung bezichtigt zu werden. Das mag überspitzt sein. Wahr ist jedoch: Am sichersten fährt ein Lehrer, wenn er sich ausserhalb der definierten Lektionen möglichst wenig engagiert.

Die Berufsaussichten. Nur wenige Menschen bleiben heutzutage 40 Jahre lang im selben Job. In der Wirtschaft gibt es viele Chancen zur Veränderung - der Lehrerberuf bleibt derselbe. Das sinkende gesellschaftliche Ansehen fördert bei jungen Menschen zusätzlich Zweifel, ob sie wirklich Lehrer werden sollen.

Die Lehrer spielen eine elementare Rolle in der Gesellschaft - sie bilden unseren Nachwuchs aus. Es ist alarmierend, dass dieser Beruf an Attraktivität verloren hat. Mehr Lohn jedoch ist nicht das richtige Rezept dagegen. Die Glücksforschung hat herausgefunden: Entscheidend für persönliches Glück ist nicht viel Geld, sondern viel Freiheit.