Bundesrat

Nachfolge von Schneider-Ammann: Warum Karin Keller-Sutter und Petra Gössi sich kein Duell liefern

Landet eine von ihnen im Bundesrat? Karin Keller-Sutter (links) im Gespräch mit Petra Gössi.

Landet eine von ihnen im Bundesrat? Karin Keller-Sutter (links) im Gespräch mit Petra Gössi.

Viele Politiker wünschen sich eine Frau aus der Ost- oder Zentralschweiz für die Nachfolge von Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Mit Ständerätin Karin Keller-Sutter (SG) und Parteipräsidentin Petra Gössi (SZ) würden gleich zwei Politikerinnen die Kriterien erfüllen.

Eine Frau soll es sein und zwar eine aus der Ost- oder Zentralschweiz: So lautet der Wunsch vieler Politiker für die Nachfolge von Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Für die FDP kein Problem: Mit Ständerätin Karin Keller-Sutter (SG) und Parteipräsidentin Petra Gössi (SZ) kann sie zwei profilierte Politikerinnen bieten, die aus den gewünschten Regionen kommen. Trotzdem ist die Ausgangslage für die Partei nicht einfach – und auch für die beiden Frauen nicht.

Für Gössi ist die Situation heikel, da sie als Präsidentin die FDP in die nationalen Wahlen im Herbst 2019 führt. Tritt Schneider-Ammann vorher zurück, wäre eine Kandidatur für sie schwierig: Die 42-Jährige würde sich dem Vorwurf aussetzen, ihre Partei im Stich zu lassen. «Ein Jahr vor den Wahlen die Parteipräsidentin zu verlieren, wäre natürlich ein Nachteil», sagt etwa der St. Galler FDP-Nationalrat Walter Müller. «Der Kapitän sollte nicht von Bord, bevor das Ziel erreicht ist.» Das sehen indes nicht alle so. Der Neuenburger Ständerat Raphaël Comte findet: «Es wäre kein Problem, falls Gössi noch in der laufenden Legislatur kandidieren würde.» Die Partei verfüge über die nötigen Strukturen, um den Abgang der Präsidentin aufzufangen.

Verlieren verboten

Auch für Karin Keller-Sutter ist die Ausgangslage nicht einfach. Die 54-Jährige wird schon seit Längerem als Kronfavoritin gehandelt. Das ruft Neider auf den Plan – und je länger es bis zur Wahl dauert, desto mehr Zeit haben Gegner, um ihr zu schaden. Kommt hinzu: 2010 unterlag sie – damals noch als Regierungsrätin – bei der Bundesratswahl gegen Schneider-Ammann. Dass die FDP nun ein Einerticket präsentieren wird, scheint jedoch ausgeschlossen; auch Keller-Sutter plädierte in der «Weltwoche» für eine Auswahl. Antreten dürfte sie diesmal aber nur, wenn sie von ihren Chancen überzeugt ist und die Unterstützung der Parteileitung hat.

Auch Parteipräsidentin Gössi kann es sich nicht leisten, als Verliererin vom Platz zu gehen. Parteiintern heisst es daher, dass es kaum zum Duell zwischen den beiden profilierten Frauen kommen wird. Der Zuger FDP-Ständerat Joachim Eder sagt: «Wenn Karin Keller-Sutter kandidiert, kann ich mir nicht vorstellen, dass auch Petra Gössi antritt.»

Die beiden Frauen selbst halten sich bislang bedeckt. Sie verweisen darauf, dass Schneider-Ammann nur gesagt hat, er werde spätestens Ende 2019 zurücktreten. Den Rücktritt eingereicht hat er noch nicht. «Es gibt jetzt keine Vakanz und deshalb keinen Auswahlprozess und auch keine Kandidaturen», sagt Keller-Sutter.

Ganz ähnlich äussert sich Gössi: Ob es ein reines Frauenticket geben wird und wer kandidieren könnte – das seien alles hypothetische Fragen. «Ich bin als Parteipräsidentin daran interessiert, dass wir möglichst viele geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung haben.» Auf die Frage, ob sie selbst eine Kandidatur ausschliesse, sagt Gössi lediglich: «Für mich stellt sich die Frage nicht. Ich bin erst kürzlich als FDP-Präsidentin wiedergewählt worden und habe Freude daran, die Partei in die Wahlen zu führen.»

Eine klare Absage ist das nicht. Gut möglich, dass sich Petra Gössi eine Hintertür offenlassen will – zum Beispiel für den Fall, dass Keller-Sutter nicht antritt. Es könnte aber auch ein parteitaktischer Schachzug sein, um die St. Galler Favoritin etwas aus der Schusslinie zu nehmen.

Und plötzlich wäre alles anders

Während CVP-Präsident Gerhard Pfister parteiintern in die Kritik geriet, weil er sich nicht klar zu allfälligen Bundesratsambitionen äusserte, haben Gössis Parteikollegen Verständnis dafür. Selbst Walter Müller, der sich erklärtermassen eine Ostschweizer Bundesrätin wünscht, sagt: «Man kann nicht von Petra Gössi verlangen, dass sie zu einer Situation Stellung nimmt, die bislang rein hypothetisch ist.» Noch sei vieles offen, zumal auch CVP-Bundesrätin Doris Leuthard ihren Rücktritt angekündigt hat.

Tatsächlich würde das die Ausgangslage ändern: Rückt für Leuthard ein Zentral- oder Ostschweizer nach, versperrt dies entweder Gössi oder Keller-Sutter den Weg in die Regierung.

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