Am 9. Februar hatte die Gefängnisaufseherin Angela Magdici (32) den verurteilten Sexualstraftäter Hassan Kiko (27) aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon befreit. Am Karfreitag wurden die beiden in einer Wohnung in Romano di Lombardia von einer italienischen Spezialeinheit verhaftet.

Seit Donnerstag um 11.15 Uhr befindet sich Angela Magdici wieder auf Schweizer Boden. In Chiasso wurde sie von der italienischen Polizei an die Tessiner Kantonspolizei übergeben, wie der «Corriere del Ticino» gestern Morgen berichtete.

Nachdem noch einige Formalitäten erledigt werden mussten, traf Magdici gestern kurz vor Mittag in Zürich ein – genau zwei Wochen, nachdem die Schweizer Botschaft in Rom das Auslieferungsgesuch an das italienische Justizministerium übermittelt hatte (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Die Fluchthelferin ist geständig

Gestern Nachmittag wurde Magdici bereits von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis verhört. Die ehemalige Gefängnisaufseherin habe sich bei der Einvernahme geständig gezeigt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Angela Magdici drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe wegen Entweichenlassens eines Gefangenen und wegen Amtsmissbrauchs.

In seinen Stellungnahmen ging das Bundesamt für Justiz jeweils davon aus, dass Magdici und Kiko frühestens Ende Mai ausgeliefert werden. Dass es nun lediglich zwei Wochen nach dem Auslieferungsgesuch bereits so weit war, kommentiert die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis so: «Man kann es nicht voraussagen, wie schnell eine Auslieferung vonstatten geht.»

Wo genau im Kanton Zürich Angela Magdici untergebracht wird, wollte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage nicht mitteilen. Beim Zwangsmassnahmengericht hat die Staatsanwaltschaft aber einen Antrag auf Anordnung von Untersuchungshaft gestellt. Falls der Haftrichter diesen gutheisst, wird Angela Magdici in ein ausserkantonales Gefängnis versetzt. Warum, erklärt die Staatsanwaltschaft gegenüber der Limmattaler Zeitung: «Es besteht die Möglichkeit, dass Angela Magdici nicht nur das Personal im Gefängnis Limmattal, sondern auch jenes in anderen Zürcher Gefängnissen kennt.» Der Entscheid des Haftrichters werde spätestens am Montag fallen. Ein früherer Entscheid sei aber möglich.

Kiko bleibt vorerst in Italien

Hassan Kiko, der mit Magdici eine Liebesbeziehung führt, befindet sich derweil noch immer im italienischen Gefängnis. Der Syrer machte sich mit dem Ausbruch nicht strafbar. Aber er dürfte seine Chance auf Hafterleichterung oder vorzeitige Entlassung verspielt haben.
Laut der Staatsanwaltschaft ist auch dem Bundesamt für Justiz noch nicht bekannt, wieso sich Kikos Auslieferung hinzieht. Es sei aber nicht aussergewöhnlich, dass die Auslieferung zweier Personen, die zusammen gefasst wurden, nicht gleichzeitig geschehe, so die Staatsanwaltschaft.

Gegenüber dem «Blick» sagte gestern Mario Campagna, der Pflichtverteidiger von Magdici und Kiko, dass er am Mittwochabend ins Gefängnis zitiert worden sei, um sich von seinen beiden Mandanten zu verabschieden. «Angela war sichtlich gerührt. Wir waren Freunde geworden. Sie hatte ja sonst niemanden, der sich um sie kümmerte», sagte der 45-jährige Anwalt gegenüber der Zeitung.

Hier versteckte sich das Flüchtlingsduo

Hier versteckte sich das Flüchtlingsduo

Die italienische Polizei veröffentlichte Fotos, die das Haus zeigen, in dem sich Angela Magdici und Hassan Kiko versteckt hatten.