Bundesratswahlen

Nach Widmer-Schlumpfs Abgang: Das sind die möglichen SVP-Kandidaten

Wer schaffts für die SVP zusammen mit Ueli Maurer in den Bundesrat? Thomas Hurter ist ein möglicher Kandidat (l.).

Wer schaffts für die SVP zusammen mit Ueli Maurer in den Bundesrat? Thomas Hurter ist ein möglicher Kandidat (l.).

Nach Widmer-Schlumpfs Rücktritt steht für die SVP fest: Sie stellt zwei Bundesrats-Kandidaten auf. Das dürfte allerdings nicht einfach sein.

Die Krawatte weht ihm übers Sakko, als Toni Brunner am Mittwoch ins Berner Mediencenter schreitet. Schnell postieren sich die von Eveline Widmer-Schlumpfs Medienkonferenz noch heiss laufenden Kameras um den SVP-Präsidenten.

Nachdem das Rätselraten um die abtretende Bundesrätin nun ein Ende hat, rückt umso mehr die andere grosse Frage in den Fokus: Mit wem will die SVP den frei gewordenen Regierungssitz erobern? Etwa doch mit Brunner selbst, wie das SVP-Doyen Christoph Blocher und die «Weltwoche» fordern?

«Ganz ausschliessen kann man eine Überraschung nicht»: Politologe Michael Hermann über SVP-Kandidaten und die Zukunft der BDP.

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«Nein», sagt Brunner. Sie treten definitiv nicht an? «Nein, definitiv nicht.» Damit ist wohl auch er vom sich drehenden Kandidatenkarussell der SVP abgesprungen. Gehen der SVP allmählich die valablen Kandidaten aus? Abgesagt haben bereits Fraktionschef Adrian Amstutz (BE) und Peter Spuhler (TG), der wohl die besten Wahlchancen und die grösste Strahlkraft hätte. Der Stadler-Rail-Chef sieht sich aber zu sehr seinem Unternehmen verpflichtet, als dass er für ein Regierungsmandat zur Verfügung stehen könnte. Und Albert Rösti, ebenfalls ein viel genannter Kandidat, dürfte kaum Chancen haben, sitzen doch schon zwei Berner im Bundesrat. 

Sie könnten den Sitz beerben

Am 20. November will die SVP zwei Kandidaten präsentieren. Brunner sagt: Dank Widmer-Schlumpfs Rücktritt könnten die drei grössten Parteien wieder zwei Bundesräte haben und die viertgrösste einen. «Das ist eine Entkrampfung für die Schweizer Politik. Nun kann die Konkordanz wieder hergestellt werden.» Brunner geht davon aus, dass die Bundesratsparteien den Anspruch der SVP anerkennen werden.

Unter politischen Beobachtern gilt noch immer Heinz Brand (GR) als ein Kronfavorit. Allerdings spricht auch etwas gegen den Bündner: Er ist kein Intimus Blochers. Ein direkter Draht, wie er etwa zu Toni Brunner besteht, würde fehlen. Zwar hat sich Brand als Migrationsexperte bei einem Kernthema der SVP profiliert – während 25 Jahren leitete er die kantonale Fremdenpolizei. Doch mit seiner Asylinitiative wurde er von der eigenen Partei ausgebremst.

Von «Befreiung der Schweiz» bis zu «es ist kein Freudentag»: Die Reaktionen von rechts bis links zum Rücktritt von Widmer-Schlumpf.

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Neben Brand werden noch zwei andere Ostschweizer genannt: die Schaffhauser Hannes Germann und Thomas Hurter. Nur: Beide politisieren nicht immer auf Parteilinie. Germann bekennt sich zu den bilateralen Verträgen und Hurter bekämpfte aktiv den Gripen. Möglich wäre auch, dass die SVP einen Westschweizer ins Rennen schickt. Seit 2010 hat sie bei allen Bundesratswahlen einen französischsprachigen Kandidaten aufgestellt, ist damit aber immer gescheitert. Und Guy Parmelin (VD) und Yves Nidegger (GE) sind in der Deutschschweiz kaum bekannt.

Was müsste ein geeigneter Kandidat überhaupt mitbringen? SVP-Generalsekretär Martin Baltisser sagt: «Er muss ein Departement führen können und SVP-Gedankengut in das Gremium hineinbringen.» Ob es der grössten Partei gelingen wird, einen Wunschkandidaten im Bundesrat zu platzieren, bleibt offen. Alt Bundesrat Pascal Couchepin äussert sich in seinem Gastbeitrag in der «Schweizer Illustrierten» vom Freitag kritisch über die SVP-Kandidaten: «Mir fällt auf, dass bei allen Diskussionen über mögliche Nachfolger von Eveline Widmer-Schlumpf nie jemand aufgeführt werden konnte mit auch nur annähernd ihren Qualitäten.»

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