«Vielleicht ist es uns kommunikativ zu wenig gelungen, unsere Kritikpunkte an der Menschenrechtssituation offensiv in den Vordergrund zu rücken, obwohl wir in den Gesprächen mit Politikern auch dazu Klartext geredet haben.» Das sagt SVP-Nationalrat Lukas Reimann, der zusammen mit anderen SVP-Politikern wegen einer privaten Iran-Reise in die Kritik geraten war, in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag».

Damit äussert erstmals ein Teilnehmer des umstrittenen Ausflugs Selbstkritik. Gleichzeitig widersprach Reimann der Darstellung, er habe als Mitglied der SVP-Reisegruppe gegenüber iranischen Politikern Sympathiebekundungen abgegeben: «Dass ich in den Medien als Sympathisant der Mullahs dargestellt werde, ist falsch. Richtig ist: Nicht alles, was die USA oder Israel machen ist korrekt. Das gilt aber auch für den Iran, insbesondere, was die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung betrifft.»

An seiner Kritik an den Sanktionen gegen den Iran hält Reimann jedoch fest: «Ich bin dezidiert gegen Sanktionen ohne UNO-Beschluss. Dass die USA unter anderem auch die Schweiz in einen Iran-Boykott zwingen, gleichzeitig aber viele US-Produkte im Iran zu kaufen sind, ist für mich Ausdruck einer verlogenen Politik.»

Nicht korrekt widergegeben worden sei das Zitat, in dem er die Schweizer Medien als «mindestens ebenso übel wie diejenigen im Iran» bezeichnet hat: «Das Originalzitat lautete, der «Blick» sei mindestens ebenso übel. Ich habe damit auf den lächerlichen Vorwurf eines «Blick»-Journalisten reagiert, wir hätten uns dem Regime angepasst, weil wir keine Krawatten getragen haben. Wir haben uns ausgesprochen und die Sache ist für mich erledigt.»

Reimann, der vergangene Woche als Nachfolger von SVP-Nationalrat Pirmin Schwander zum Auns-Präsidenten gewählt wurde, äussert sich im Interview auch zu seinen Plänen mit der Kampftruppe für eine unabhängige und neutrale Schweiz: «Wir werden künftig sicher auch Social Media einsetzen. Bisher hat die Auns zum Beispiel noch keinen Facebook-Auftritt. Und wir werden verstärkt an Schulen präsent sein, so wie die Neue Europäische Bewegung Nebs, die fast jede Woche irgendwo versucht, Kantons- und Berufsschüler vom EU-Beitritt zu überzeugen.»

Damit die Gruppierung künftig wieder stärker wahrgenommen wird, will Reimann «die Auns wieder stärker als Volksbewegung positionieren», so der SVP-Nationalrat. «Dazu gehören freche Aktionen - so wie damals, als wir mit einem trojanischen Pferd auf dem Bundesplatz für Aufsehen sorgten. Zudem schwebt mir vor, die Mitglieder stärker in Entscheidungen einzubinden. Zum Beispiel die Frage, ob die Auns die Ecopop-Initiative unterstützen soll oder nicht, mit einer Urabstimmung ermitteln.»