Er war Bundesanwalt Michael Laubers Mann für die spektakulären Fälle. Olivier Thormann verantwortete als Abteilungsleiter Wirtschaftskriminalität die Ermittlungen in den Korruptionsskandalen des brasilianischen Energiekonzerns Petrobras und des malaysischen Staatsfonds 1MDB. Und er hatte die weltweit beachteten Fifa-Untersuchungen unter sich.

Es geht dabei um Korruption bei der Vergabe von Fussballweltmeisterschaften und TV-Rechten. Die Bundesanwaltschaft untersucht in diesem Zusammenhang seit dem Jahr 2015, ob in der Schweiz Delikte wie ungetreue Geschäftsführung oder Geldwäscherei begangen wurden. In den Fokus war auch der damalige Fifa-Präsident Sepp Blatter geraten.

Doch Olivier Thormann ermittelt nicht mehr. Ende Oktober wurde er freigestellt. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht des «Tages-Anzeigers». Der Bundesanwaltschaft wurden nach eigenen Angaben bereits Ende September Informationen zugetragen, die in strafrechtlich relevante Vorwürfe gegen Staatsanwalt Thormann mündeten. Daraufhin habe die Bundesanwaltschaft die eigene Aufsichtsbehörde eingeschaltet und um die Einsetzung eines ausserordentlichen Staatsanwaltes gebeten. Die Freistellung sei im Einvernehmen mit Thormann geschehen und dürfe nicht als Vorverurteilung missverstanden werden, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit.

Zu den strafrechtlich relevanten Verdachtsmomenten schweigt sich die Behörde aus. Sie stehen aber im Zusammenhang mit den Fussball-Ermittlungen. Nichts zu tun hätten die Vorwürfe gegen Thormann jedoch mit den Gesprächen zwischen Thormann und Bundesanwalt Michael Lauber einerseits und dem aktuellen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino andererseits. Diese Treffen waren in den letzten Tagen durch Dokumente der sogenannten Football Leaks bekannt geworden.

Auszugsweise veröffentlichte interne E-Mails der Fifa zeigten nicht nur, dass sich Lauber und Thormann mit dem Fifa-Chef Infantino trafen, sondern dass einmal auch der Oberwalliser Staatsanwalt und Infantino-Freund Rinaldo Arnold dabei war. Sowohl Infantino als auch die Bundesanwaltschaft beteuerten, dass es sich dabei um keinen ungewöhnlichen Vorgang handle. Gegen ein Fehlverhalten spricht auch, dass Infantino im Verfahren bisher die Fifa als geschädigte Institution vertrat.

Forderung nach Transparenz

Die Freistellung des für die Fifa-Ermittlungen zuständigen Ermittlers sorgte für grosses Echo. Zeitungen wie der britische «Guardian» oder die US-amerikanische «New York Times» berichteten. Der von den Ermittlungen betroffene ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter liess auf Anfrage ausrichten, er verfolge die Vorgänge sehr genau, könne sich aber nicht erklären, was hinter der Suspendierung stehe. Aus seinem Umfeld heisst es, er sei erleichtert, dass nun Bewegung in die Sache käme. Schliesslich habe er seit Beginn der Ermittlungen im Jahr 2015 nichts Konkretes mehr gehört.

Der St. Galler SVP-Nationalrat und Fifa-Kritiker Roland Rino Büchel nimmt den Chef der Bundesanwaltschaft in die Pflicht: «Michael Lauber muss nun volle Transparenz schaffen.» Er habe die Bundesanwaltschaft lange genug verteidigt, zum Beispiel bei Anfragen internationaler Medien. Grundsätzlich ist Büchel der Meinung, dass Politiker sich nicht in die Arbeit von Staatsanwälten einmischen sollten. Nun sei seine Geduld aber am Ende. «Als Bürger habe ich ein Anrecht darauf, zu wissen, was das Resultat der jahrelangen Ermittlungen in Sachen Fifa ist», sagt Büchel. Er hofft nun darauf, dass Ulrich Weder, der als Sonderstaatsanwalt eingesetzt wurde, in Sachen Bundesanwaltschaft schneller Resultate liefere als die Bundesanwaltschaft in Sachen Fifa.