Bundesterrasse
Nach stundenlagen Verhandlungen überwältigt die Polizei den Syrer beim Bundeshaus

Stundenlang hielt ein Unbekannter, der sich als kurdischer Syrer zu erkennen gab, den Berner Politbetrieb und die Polizeikräfte rund um das Bundeshaus in Atem. Kurz nach 20 Uhr wurde der Mann schliesslich von Polizeibeamten überwältigt.

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Polizei- und Feuerwehreinsatz beim Bundeshaus in Bern. Ein Mann mit grünem Kanister drohte sich auf der Bundesterrasse etwas anzutun.
Polizei- und Feuerwehreinsatz beim Bundeshaus in Bern. Ein Syrer drohte sich auf der Bundesterrasse anzuzünden.
Der Mann auf dem Mäuerchen der Bundesterrasse hat einen grünen Kanister bei sich und soll gedroht haben, sich anzuzünden.
Der Mann übergoss sich mit einer Flüssigkeit aus dem grünen Kanister.
Polizei- und Feuerwehreinsatz beim Bundeshaus in Bern. Ein Syrer drohte sich auf der Bundesterrasse anzuzünden.
Mann auf Bundesterrasse mit grünem Kanister_002 - Kopie
Der Bundesplatz wurde geseperrt.
Polizeieinsatz beim Bundeshaus - Bundesterrasse gesperrt

Keystone

Stundenlang hielt ein Unbekannter, der sich als kurdischer Syrer zu erkennen gab, den Berner Politbetrieb und die Polizeikräfte rund um das Bundeshaus in Atem: Er war am Nachmittag mit einem grünen Kanister auf der Bundeshausterrasse erschienen und hatte gedroht, sich etwas anzutun. Ob und was sich im Kanister befand, war unklar.

Der Mann verteilte jedenfalls eine Flüssigkeit über Haare, Nacken und Jacke, wie ein sda-Korrespondent am späten Donnerstagnachmittag vor Ort feststellte. Offenbar droht der Mann, sich sich anzuzünden. Augenzeugen melden, dass die Person wie wild in der Luft fuchtle und laut schreie.

Der Mann gestikulierte bisweilen heftig und wurde laut. Am Nachmittag war das Wort Kurdistan deutlich zu vernehmen. Mitunter erhob sich der Mann auf der Brüstung der Bundesterrasse und winkte den auf der andern Seite der Bundesterrasse versammelten Medienleuten und Passanten zu. Auch Victory-Zeichen machte der Mann.

Schliesslich verlangte er, mit einem französischsprachigen Reporter und einem Politiker zu sprechen. Ein Journalist von "Le Temps" konnte mit dem Mann daraufhin kurz in Kontakt treten.

Der Journalist habe danach berichtet, der Mann sei ein kurdischstämmiger Syrer, der in Lausanne Asyl beantragt habe, wie die Sendung "Schweiz Aktuell" berichtete. Die Forderung des etwa 40-jährigen Mannes sei, die Schweiz zu verlassen und nach Deutschland oder Grossbritannien auszureisen.

Ein Verhandlungsteam der Polizei war den ganzen Nachmittag vor Ort. Eine Frau in blauer Weste begab sich mehrfach zu dem nicht mehr ganz jungen Mann auf dem Geländer, sprach mit ihm und ging dann wieder.

Gegen Abend kam eine gewisse Hektik in den Verhandlungen auf. Die beiden Unterhändlerinnen blieben lange bei dem Mann und in der zunehmenden Dunkelheit wurde seine Stimme eindringlicher und lauter.

Kurz nach 20 Uhr wurde der Mann schliesslich von Polizeibeamten überwältigt.

Auch Ständeratspräsident Hêche verhandelte

Radio-24-Bundeshauskorrespondent Matthias Bärlocher hatte um 18 Uhr gegenüber watson berichtet, dass der Mann noch immer auf der Brüstung sitze. Gegen 17.30 Uhr wurde ein Mann mit einer Kamera zusammen mit einer Begleitperson vorgelassen. Offenbar wollte der Syrer eine Botschaft verlesen. Ob diese tatsächlich aufgenommen worden war, ist unklar. Woher das Kamerateam kommt, ist nicht bekannt. Möglicherweise handelt es sich um zivile Polizisten.

Lukas Mink von TeleBärn war vor Ort und berichtete am Nachmittag, dass zwei Personen bei dem Syrer auf der Terrasse seien und mit ihm diskutierten. Bärlocher sagt, dass sich Ständeratspräsident Claude Hêche ebenfalls auf der Terrasse befunden habe, um mit dem kurdischen Syrer zu verhandeln. Die Gespräche würden allerdings durch Sprachbarrieren erschwert. Der Mann übergiesse sich immer wieder mit der Flüssigkeit aus dem grünen Kanister.

Teile der Bundesterrasse waren abgesperrt worden. Nach Augenzeugenberichten standen rund 60 Leute und zehn Blaulichtfahrzeuge im Einsatz. Aus einem Feuerwehrauto war ein Schlauch Richtung Bundesterrasse ausgerollt worden, wie ein sda-Berichterstatter vor Ort feststellte.

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