Mit der Villa Kunterbunt kann das Haus nicht mithalten. Dafür ist seine gräuliche Farbe schlicht zu unauffällig. Dennoch erinnert man sich beim Anblick des Holzhauses in Göteborg sofort an Astrid Lindgrens Verfilmungen. Ein Schwedenhaus mit auffälliger Dachveranda, mehreren Treppeneingängen, weiss bemalten Hausecken und zuoberst auf dem Dach eine Wetterfahne. Was an ein Einfamilienhaus erinnert, ist die Rebellenzentrale der Schweizer Snus-Befürworter im hohen Norden, sprich der offizielle Hauptsitz des schwedischen Start-up «Snushof».

Das neu gegründete Unternehmen verfolgt unter dem Credo «von Snusern für Snusern» ein Ziel: die Schweiz mit Snus, Oraltabak, zu versorgen. Es ist der nächste Schachzug des Vereins Freesnus im jahrelangen Hin und Her mit dem Bundesamt für Gesundheit und die Reaktion auf die Weisung der Behörde, die zum definitiven Verkaufsstopp in der Schweiz führen soll.

Während Kioske, Tankstellenshops und Supermärkte somit keinen Snus mehr verkaufen dürften, auch nicht als Kautabak getarnten, kann man über die Internetseite von Snushof den Oraltabak ganz legal beziehen. Zwar ist der Verkauf von Snus in der Schweiz verboten, aber nicht der Import für den Eigenbedarf über einen ausländischen Anbieter. Auch wenn dessen CEO gleichzeitig Vorstands-Mitglied bei Freesnus ist.

Onlineshop mit Sitz in Spanien

Rico Daniel ist E-Zigaretten-Händler. Auch er trickst ein Verkaufsverbot online aus. In Kloten an der Gerbegasse betreibt er das Geschäft «E-Smoking», in dem er seinen Kunden ganz legal E-Zigaretten und nikotinfreie Liquids verkauft; über einen Onlineshop mit Firmensitz an der Plaça dels Traginers in Barcelona vertreibt er gemeinsam mit einem spanischen Geschäftspartner nikotinhaltige Liquids, die er in seinem Geschäft in Kloten nicht anbieten darf.

Auch ganz legal. Denn bei den nikotinhaltigen Liquids für E-Zigaretten gilt wie beim Snus: In der Schweiz zu verkaufen, ist verboten, der Import für den Eigenbedarf aber erlaubt.

Das für beide Produkte geltende Verkaufsverbot stösst sowohl Snusern wie Dampfern sauer auf. Das Argument von beiden: Das Verbot gefährde den Rauchstopp von Tausenden Menschen. Denn: Ihr Suchtmittel sei weniger schädlich als Zigaretten und somit eine gute Alternative. Sprich: Zwar immer noch abhängig von Nikotin sein, aber immerhin auf eine weniger tödliche Art und Weise.

Das BAG schätzt sowohl Snus wie auch die E-Zigarette als weniger gefährlich ein als Tabakzigaretten. Auf seiner Website schreibt das BAG, dass Fachleute sich nicht darüber einig seien, wie Chancen und Risiken der E-Zigarette abgewogen werden sollten. «Steigen Rauchende konsequent auf E-Zigaretten um, so kann dies die gesundheitlichen Risiken reduzieren.» Doch: «Die Nikotinabhängigkeit wird damit aber nicht überwunden.»

Legalisierung zeichnet sich ab

Auf das neue Tabakproduktegesetz zeichnet sich eine Legalisierung des Verkaufs von Snus und nikotinhaltigen Liquids ab. Doch bis das neue Gesetz steht, wird es noch Jahre dauern. Für Rico Daniel zu lange. So schnell wie möglich will er auch wieder in Kloten nikotinhaltige Liquids verkaufen können. Wieder, weil er bereits von Oktober bis Dezember 2015 in seinem Geschäft in Kloten nikotinhaltige Liquids verkaufte.

Er berief sich dabei auf das «Cassis de Dijon»-Prinzip. Dieses besagt, dass Produkte, die in der EU rechtmässig hergestellt und angeboten werden, ohne Kontrolle auch in der Schweiz verkauft werden dürfen. Der Bund ging dagegen mit einer Verfügung vor und unterband den Verkauf. Gegen diese Verfügung hat Rico Daniel beim Bundesverwaltungsgericht Klage eingereicht. Das Urteil ist hängig.

Rico Daniel rauchte früher bis zu zwei Päckchen Zigaretten am Tag, heute keine einzige mehr. Dafür dampft er jetzt nikotinhaltige Liquids. «Immer noch nicht perfekt», sagt er selber, «aber viel besser als Zigaretten».

So geht es den meisten seiner Kunden, die zu «99 Prozent» ehemalige Raucher seien. «Dank der E-Zigarette können Sie ihre Anzahl Zigaretten pro Tag reduzieren oder ganz darauf verzichten.» Die Nikotin-Abhängigkeit ganz hinter sich zu lassen, «entpuppt sich meistens als Illusion». Das es so lange dauert bis er nikotinhaltige Liquids verkaufen darf, ist für ihn ein Skandal. Geschäftsschädigend für ihn, gesundheitsschädigend für jene Raucher, die ohne das Verbot auf die E-Zigarette umsteigen würden.

Das Geschäft von Rico Daniel ist nah vom Flughafen. Ein Versuch dort zeigt: Beim Kiosk erhält man immer noch ohne Probleme Snus. Trotz Verbot, trotz zusätzlicher Weisung des BAG. Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich sagt auf Nachfrage: «Flächendeckende Kontrollen bei den Verkaufsstellen sind im Kanton Zürich nicht geplant.» Nur bei konkreten Hinweisen werde das Kantonale Labor aktiv. Hauptziel sei aber, den Import zu unterbinden, was aber Sache der Zollbehörden sei.