Der abtretende Chef der Armee, Philippe Rebord, sprach am Donnerstag konsequent von einem «Nachfolger». Anders seine Chefin, Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP). Jetzt gehe die Suche nach einem «Nachfolger oder eine Nachfolgerin» für Armeechef Rebord los, sagte sie vor den Medien.

Eine Frau als Chefin der Armee? Im Gespräch macht Amherd klar, dass die Chance darauf derzeit noch eher klein ist. Aber ausgeschlossen sei nichts, sie betont:

So oder so würden ihr die nun folgenden Auswahlverfahren für Armeechef Rebord und den ebenfalls abtretenden Ausbildungschef Daniel Baumgartner Gelegenheit geben, sich einen vertieften Überblick über die Armeekader zu verschaffen.

Weil sich das Jobkarussell nun bis nach ganz oben dreht, erhält Amherd auch die Möglichkeit, gezielt mehr Frauen in hohe und höchste Positionen nachzuziehen, bis hinauf in die Armeeführung, den Armeestab.

Diese Domäne war bisher immer Männern vorbehalten, das dürfte sich über kurz oder lang ändern. Die bewusste Förderung von Frauen müsse auf allen Stufen erfolgen, macht Amherd auch deutlich.

Frauenanteil in der Armee beträgt 0,1 Prozent

Das dürfte eine grosse Aufgabe für Amherd sein. Die Frage ist: Wo Frauen finden? Der Frauenanteil bei den Aktiven der Schweizer Armee beträgt nicht einmal 0,1 Prozent. Den 120'000 Männern stehen etwas mehr als 900 Frauen gegenüber. Das zeigt der Blick in die aktuelle Statistik des Bundes.

Viola Amherd zum Rücktritt ihres Armeechefs

Viola Amherd zum Rücktritt ihres Armeechefs

Bundesrätin Viola Amherd bedauert den Rücktritt ihres Armeechefs.

Unter den Dutzenden am Donnerstag veröffentlichten Namen von Beförderungen im Offizierskorps sind auch gerade mal drei Frauen aufgeführt.

Unter den 53 höheren Stabsoffizieren der Armee ist nur eine Frau. Es ist dies Germaine Seewer - eine von 32 Brigadiers. Die Walliserin hat im vergangenen Juni als erste Frau das Kommando über eine Brigade übernommen.

Als erste Frau eine Brigade übernommen

Germaine Seewer steht der Führungsunterstützungsbrigade 41 vor. Es ist die grösste Brigade der Schweizer Armee. Sie ist zuständig für die geschützten Hauptquartiere und Kommunikations- und Informationssysteme für die Führung von Einsätzen. In Seewers Zuständigkeit fällt auch der Botschaftsfunk, die Kryptologie, das Übersetzen und Dolmetschen.

Die Interpretation der Aussagen von Amherd und Rebord lassen keinen anderen Schluss als diesen zu: Seewer wird kaum Chef der Armee, obwohl sie dem Kandidatenkreis angehört. Aber: Sollte ein Divisionär Rebords Nachfolger werden, darf sich Seewer eine Chance ausrechnen, vom Brigadier zum Divisionär befördert zu werden.