Bahnverkehr

Nach «Postauto-Skandal»: Auch BLS und SBB haben zu viele Subventionen bezogen

Zu hohe Abgeltungen: BLS vergass Budgetposten

Laut dem Berner Bahnunternehmen BLS kam es zu den zu hohen Abgeltungen im regionalen Personenverkehr, weil die BLS bei der Budgetierung einen Posten nicht einplante: Die Verkäufe von Halbtax-Abonnementen im regionalen Libero-Verkehrsverbun

Wie die Post haben auch BLS und SBB im öffentlichen Verkehr missbräuchlich Subventionen bezogen. Die Millionen sollen zurückbezahlt werden. Anders als beim «Postauto-Skandal» hat der Bund keine Hinweise auf Bereicherungsabsichten.

(sat) Die BLS, die SBB sowie Besitzer von Anschlussgleisen für den Schienengüterverkehr haben in den letzten Jahren teilweise zu hohe Subventionen bezogen. Das hätten Abklärungen der betroffenen Besteller und Unternehmen im Nachgang zur «Postauto-Affäre» ergeben. Wie das Bundesamt für Verkehr (BAV) am Freitag mitteilt, wollen die Kantone und der Bund als Besteller der Leistungen im öffentlichen Verkehr (öV) sowie die betroffenen Unternehmen die Fälle nun im Detail aufarbeiten.

BLS müssen 43,6 Millionen an Bund und Kanton Bern zurückzahlen

Konkret haben demnach die BLS und ihre Tochtergesellschaft Busland in den Jahren 2011 bis 2018 bei Offerten für Leistungen im regionalen Personenverkehr zu tiefe Erlöse aus dem bernischen Tarifverbund Libero eingerechnet. In der Folge zahlten der Bund, der Kanton Bern sowie die weiteren mitbetroffenen Kantone zu hohe Abgeltungen. Mit der BLS ist laut BAV eine Vereinbarung zur Rückzahlung von 43.6 Millionen Franken abgeschlossen worden. Der Kanton Bern als Mehrheitsaktionär der BLS will am Freitag Stellung nehmen.

Letztes Jahr hatte das BAV bei der BLS bereits ein fehlerhaftes Zinsglättungsmodell entdeckt und eine Rückzahlungsvereinbarung über 30 Millionen Franken abgeschlossen. Angesichts der Mängel verlangen nun Bund und Kanton Bern am Freitag von der zweitgrössten Bahn des Landes, die Kontrollen und Steuerung in den Subventionsbereichen grundlegend zu überprüfen. Der Verwaltungsrat der BLS habe die entsprechenden Aufträge bereits erteilt, schreibt das BAV. Zudem prüfe bereits die Eidgenössische Finanzkontrolle bei der BLS die korrekte Verbuchung von Kosten und Erträgen in den subventionierten Sparten.

SBB beziehen 7,4 Millionen zu viel aus Zürcher Verkehrsverbund

Bei der Verteilung der Einnahmen aus dem Zürcher Tarifverbund hat die SBB vor Jahresfrist selber einen Fehler entdeckt und die Besteller darüber informiert. Diese Darstellung bestätigt das BAV auf Anfrage von CH Media. Demnach wurden unter anderem die Einnahmen für die Jahre 2012 bis 2019 nicht korrekt zwischen dem eigenwirtschaftlichen Fernverkehr und dem subventionierten Regionalverkehr aufgeteilt.

Mit weiteren Unstimmigkeiten, die sich zuungunsten der SBB auswirkten, führte dies laut BAV unter dem Strich zur ungerechtfertigten Belastungen des Regionalen Personenverkehrs von 7,4 Millionen Franken. Diese Summe werde die SBB zurückzahlen, teilte das Bahnunternehmen am Freitag mit. Das BAV wiederum fordert die SBB auf, die Verteilung der Einnahmen in den Tarifverbünden zu vereinfachen. «Es bestehen keinerlei Hinweise auf Bereicherungsabsichten», sagt BAV-Sprecherin Olivia Ebinger zu den ungerechtfertigten Subventions-Bezügen von SBB und BLS.

Anschlussgeleise: Bundesanwaltschaft wird eingeschaltet

Die dritte aufgedeckte Subventions-Trickserei: Firmen im ganzen Land investieren jeweils in Anschlussgleise, damit Güterwagen vom öffentlichen Netz direkt aufs private Firmengelände fahren können. Der Bund leistet daran Finanzhilfen. Werden die Geleise nicht wie vereinbart genützt, fordert das BAV Investitionsbeiträge anteilmässig zurück.

Laut den jüngsten Abklärungen bestehen laut Bundesamt für Verkehr Anzeichen, dass in den letzten Jahren die Transportmengen in einer BAV-Datenbank nicht korrekt registriert und dadurch Rückforderungen nicht wie vorgesehen abgeklärt wurden. Das BAV hat die Bundesanwaltschaft eingeschaltet. Der Schaden dürfte nach ersten BAV Schätzungen jedoch in der Grössenordnung eines tiefen einstelligen Millionenbetrages liegen.

Meistgesehen

Artboard 1