Es handle sich um den ersten schweren Unfall der Patrouille Suisse in ihrem 52-jährigen Bestehen, sagte der Kommandant der Luftwaffe, Aldo Schellenberg. Er zeigte sich betroffen über den Absturz. Gleichzeitig sei er "enorm erleichtert" über den glimpflichen Ausgang des Unfalls, sagte er am Donnerstagabend vor den Medien in Bern.

Der Unfall ereignete sich während eines Trainings für eine Flugshow am Tag der offenen Tür der niederländischen Luftwaffe in Leeuwarden. Die Piloten führten gerade ein routinemässiges Zusammenführungsmanöver durch: Während einer Vorführung zweier Solopiloten gruppierten sich die restlichen Flieger neu - da geschah der Unfall.

Landung im Gewächshaus

Laut Schellenberg berührten sich die Flugzeuge eher als dass sie kollidierten. Der eine Pilotbetätigte den Schleudersitz. Auf Amateurbildern im Internet ist zu sehen, dass das Flugzeug in einen See beim friesischen Dorf Bitgum stürzte und dann in Flammen aufging.

Der Pilot landete in einem Gewächshaus. Er sei "wohlauf und ansprechbar", sagte der Luftwaffenkommandant. Wie das VBS am Abend mitteilte, zog sich der Pilot eine Fraktur im Fussbereich, leichte Schnittverletzungen und Prellungen zu. Der zweite Pilot konnte sein Flugzeug kontrolliert landen.

Laut Schellenberg waren beide Piloten sehr erfahren. Der eine Pilot verfüge über 1250 Flugstunden, der andere über 2000 Flugstunden auf den Flugzeugen der Luftwaffe.

Teilnahme an Flugshow abgesagt

Die Teilnahme an der Flugshow hat die Schweiz nun abgesagt. Ob die weiteren geplanten Auftritte der Patrouille Suisse durchgeführt werden, wird laut VBS voraussichtlich bis am kommenden Mittwoch entschieden. Die Schweizer Militärjustiz leitete eine Untersuchung ein.

Am Freitagvormittag wird ein Team aus der Schweiz in die Niederlanden fliegen. Neben der Militärjustiz werden auch ein Care-Team für die Piloten und Flugsicherheitspezialisten dabei sein. Mit der niederländischen Luftwaffe und den Untersuchungsbehörden ist die Schweiz in Kontakt.

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Ob der abgestürzte Jet ersetzt wird, ist noch unklar. Insgesamt verfügt die Schweizer Luftwaffe über 54 F5-Tiger. Ein Teil davon ist stillgelegt, 26 waren bislang in flugfähigem Zustand erhalten. 22 davon sind Einsitzer, vier Doppelsitzer. Mit dem Unfall fällt nun ein Einsitzer weg.

Eine Reaktivierung eines stillgelegten Tigers wäre finanziell verkraftbar, sagte Schellenberg. Die Flugzeuge werden periodisch kontrolliert und gestartet, es wäre aber ein mehrwöchiger Service nötig.

Wie es mit der Tigerflotte generell weitergeht, bestimmt das Parlament. Die Armeereform sieht vor, dass die Ausserdienststellung von Kampfjets künftig von den Eidgenössischen Räten abgesegnet werden muss.

Bund trägt Kosten

Buchhalterisch wird der Unfall beim Bund keinen Verlust verursachen, die Jets sind abgeschrieben. Allerdings wird der Bund die Kosten für den Schaden vollumfänglich selbst tragen, wie Schellenberg sagte.

Für die Patrouille Suisse ist es der erste schwere Unfall. Die Schweizer Luftwaffe hat seit 1941 rund 400 Flugunfälle mit 350 Todesopfern registriert. Im Oktober des letzten Jahres war in Frankreich ein F/A-18-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe abgestürzt. Auch damals konnte sich der Pilot mit dem Schleudersitz retten.

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Vor drei Jahren, im Oktober 2013, war ein Kampfjet an einer Felswand bei Alpnachstad OW zerschellt. Dabei kamen der Pilot sowie ein Fliegerarzt, der als Passagier an Bord war, ums Leben. Zurückzuführen war der Absturz auf eine Fehlbeurteilung des Piloten, wie der Schlussbericht der Militärjustiz ergab.

Zwischen den drei Unglücken gebe es keinen erkennbaren Zusammenhang, stellte Schellenberg in der SRF-Sendung "10vor10" klar. Es gebe kein Sicherheitsproblem in der Luftwaffe.