Schweiz

Nach Missständen am USZ: Externer Bericht kritisiert hierarchisches System

Stand wegen verschiedener Missstände häufig in Kritik: Das Universitätsspital Zürich (USZ).

Stand wegen verschiedener Missstände häufig in Kritik: Das Universitätsspital Zürich (USZ).

Das Universitätsspital Zürich (USZ) stand wegen Missständen in letzter Zeit in der Kritik. Nun schlägt ein Gutachten eine ganze Reihe von Empfehlungen vor, um die Aufsicht zu verbessern.

(dpo) Der Bericht enthält eine umfassende Betrachtung der Unternehmensführung und leitet daraus insgesamt 29 Empfehlungen ab, wie die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich am Freitag mitteilte. Sie prüft nun die Empfehlungen. Bis Ende Januar 2021 sollen zudem auch die Empfehlungen der Subkommission des Kantonsrates vorliegen und in die Gesamtbeurteilung einfliessen, heisst es weiter.

Konkret kritisiert der Bericht etwa die «ausgesprochen hierarchisch» geprägte Unternehmenskultur im medizinischen Bereich. Dies könne zur Folge haben, dass Missstände aus Angst vor Repressalien nicht gemeldet werden. Verschiedentlich ist laut dem Bericht ausgesagt worden, dass Missstände schon länger bekannt gewesen seien, sich aber niemand getraut habe, etwas dagegen zu unternehmen.

Diese hierarchischen Machtstrukturen wirken gemäss den externen Gutachtern «wie aus der Zeit gefallen» und haben «wenig mit einer modernen Leadership-Kultur» gemein. Deshalb wird dem USZ ein Kulturwandel hin zu einer «konstruktiven Feedbackkultur» empfohlen.

Lohnsystem führt zu Fehlanreize

Der Bericht geht auch mit dem Lohnsystem hart ins Gericht. Das derzeit gültige Honorargesetz führe demnach zu verschiedenen «Fehlanreizen», heisst es. Je mehr ein Arzt Privat- oder Halbprivatpatienten operiere, desto mehr stiegen auch die Zusatzhonorare zuhanden des Honorarpools des Spitals. Dieses System könnte allerdings dazu führen, dass medizinisch nicht zwingende Eingriffe durchgeführt werden. Daher sollen Anpassungen gemäss der Vorlage zur Revision des Spitalplanungs- und Finanzierungsgesetzes konsequent» umgesetzt werden.

Noch bevor das Gutachten vorlag, hat das Universitätsspital bereits von sich aus Schritte eingeleitet. Es hat etwa eine externe, anonyme Meldeplattform für mögliche Fehlverhalten eingeführt. Ausserdem plant das Spital verschiedene Verhaltensleitlinien zu erarbeiten, beispielsweise im Umgang mit Interessenkonflikten.

Turbulente Monate für das USZ

In den vergangenen Monaten sorgten gleich mehrere Kliniken und Ärzte des Zürcher Universitätsspitals (USZ) für negative Schlagzeilen. Die Rede war von geschönten Berichten über Operationen und zugeschanzten Patienten. Die Gesundheitsdirektion sprach von einem «Reputationsschaden» für das USZ.

Letzten Montag gab schliesslich der Spitalratspräsident des USZ, Martin Waser, seinen Rücktritt bekannt. Neben dem Präsidenten werden per Juni 2021 auch der amtierende Vizepräsident, Urs Lauffer, sowie Annette Lenzlinger aus dem Spitalrat zurücktreten.

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