Die Kantonspolizei Zürich hat am Dienstag zusammen mit der Staatsanwaltschaft das Haus des bekannten Pädagogen Jürg Jegge in Rorbas ZH durchsucht. Zudem soll Jegge in den nächsten Tagen polizeilich einvernommen werden. Der 73-Jährige hatte gegenüber Medien sexuellen Kontakt mit Schülern in den 1970er-Jahren zugegeben.

Bei der Hausdurchsuchung sicherten die Polizisten mögliches Beweismaterial. Festgenommen wurde Jegge jedoch nicht. Er sei auch nicht zur Verhaftung ausgeschrieben, sagte Corinne Bouvard, Sprecherin der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Jürg Jegge gibt zu: «Es gab sexuelle Kontakte zu Markus Zangger»

Jürg Jegge gibt zu: «Es gab sexuelle Kontakte zu Markus Zangger»

Ausschnitt aus dem Interview mit Tele Züri.

Jegge hatte in der vergangenen Woche gegenüber mehreren Medien zugegeben, dass es zu sexuellen Kontakten mit Schülern gekommen sei. Er reagierte damit auf Missbrauchsvorwürfe, die sein ehemaliger Sonderschüler Markus Zangger in einem Buch veröffentlicht hatte. Diese Vorwürfe sind rechtlich allerdings verjährt.

Die Staatsanwaltschaft leitete daraufhin am vergangenen Freitag ein Vorabklärungsverfahren wegen des Verdachts auf sexuelle Handlungen mit Kindern sowie mit Abhängigen ein. Dabei soll geklärt werden, ob es auch noch Übergriffe gab, die noch nicht verjährt sind. Die Staatsanwaltschaft bittet deshalb allfällige weitere Opfer oder Zeugen, sich zu melden.

Da es sich bei Jegge als Sonderschullehrer um einen ehemaligen Beamten handelt, brauche es zur Eröffnung eines Strafverfahrens die Ermächtigung des Obergerichts. Diese Ermächtigung steht noch aus.

Die Staatsanwaltschaft kann jedoch sichernde Massnahmen wie die Hausdurchsuchung, die keinen Aufschub ertragen, bereits vorher anordnen, heisst es in einer Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft.

Missbrauchsvorwürfe in einem Buch

Markus Zangger hatte am 4. April im Buch "Jürg Jegges dunkle Seite" Missbrauchsvorwürfe gegen den bekannten Pädagogen und Autoren erhoben. Gemeinsam mit dem Co-Autoren des Buchs, dem Journalisten und Autoren Hugo Stamm, schilderte er seine Erlebnisse mit Jegge, zu dem er 1970 als Zwölfjähriger kam.

So soll es unter dem Vorwand therapeutischer Massnahmen über Jahre zu körperlichen Übergriffen gekommen sein, bei denen sie beispielsweise gemeinsam onaniert hätten.

Jegge gab daraufhin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda zu, dass es zu sexuellen Kontakten mit seinem Schüler kam. Zudem sagte der 73-Jährige, dass Zangger auch nicht der Einzige gewesen sei.

Zu dieser Zeit habe man von einer allgemeinen Befreiung gesprochen, die eher zu erreichen wäre, wenn sie mit einer Befreiung des Körpers und seiner Sexualität einherginge. Heute würde er diese Therapie aber nicht mehr machen.