Rund 450 Muslime haben sich zwischen September 2016 und Mai 2017 an insgesamt 25 Workschops mit Fachleuten aus den Bereichen Schule, Jugendarbeit, Medien und Integration ausgetauscht. Dahinter steht das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG) der Universität Freiburg.

Wie Hansjörg Schmid, Direktor des SZIG, mitteilt, haben vor allem Vereinsverantwortliche, Imame, Seelsorgende aus Spitälern, dem Asylbereich und Gefängnissen daran teilgenommen, aber auch islamische Religionspädagoginnen und -pädagogen, sowie Medienverantwortliche. Und schliesslich Leiter und Leiterinnen von Frauen- und Jugendgruppen.

Besprochen wurden gemäss Schmid Rollenbilder und religiöse Identitäten an Schulen und in der Seelsorge, aber auch das Bild von Muslimen und dem Islam in den Schweizer Medien.

Während das Verhältnis von Frauen und Männern an den Workshops in der Welschschweiz und im Tessin ausgeglichen war, betrug es in der Deutschschweiz 30 zu 70. Insgesamt betrug der Männeranteil 62 Prozent, der Frauenanteil 38 Prozent. Unter den insgesamt 459 Teilnehmenden waren 95 Imame.

Imame wünsche Weiterbildung

Zu den wichtigsten Erkenntnissen aus den Workshops gehört gemäss SZIG-Direktor Schmid, dass sich Imame Weiterbildung in den Bereichen Gesprächsführung, Pädagogik, Mediation und Seelsorge wünschen. Sie stiessen angesichts vielfältiger Anforderungen oft an ihre Grenzen. Die Rolle von Frauen in den Vereinen werde zunehmend wichtiger und sichtbarer. Frauen seien nicht mehr nur im organisatorischen Bereich aktiv, sondern auch als Präsidentinnen, im Vorstand oder als religiöse Betreuungspersonen, insbesondere für Frauen und Jugendliche.

Aktive Frauen in wichtigen Positionen

Auch Jugendliche seien Thema der Workshops gewesen. Junge Muslime reflektierten über ihren Platz als Muslime in der schweizerischen Gesellschaft und suchten nach Orten des Nachdenkens über theologische Fragen. Dazu nutzten sie gemäss Schmied Angebote muslimischer Vereine, die Vorträge und Diskussionsabende zu religiösen und aktuellen gesellschaftlichen Themen anböten. Diese Aktivitäten im Bereich Jugendarbeit stehen häufig schon unter der Leitung junger, in der Schweiz beheimateter Muslime.

Muslimische Organisationen böten nicht nur religiöse Dienstleistungen an, sondern auch Beratungen, Bildungsangebote und Aktivitäten für verschiedene Zielgruppen. Sie würden damit bereits vielfach als gesellschaftliche Akteure in Erscheinung treten, auch wenn sie einer breiteren Öffentlichkeit oft nicht bekannt seien.

Skepsis gegenüber Medien

Muslimische Vereine seien Medien gegenüber skeptisch eingestellt, suchten aber nach Wegen konstruktiver Selbstdarstellung. Gemäss Schmid beschäftigten sie sich mit Prävention gegen Radikalisierung und wollten mit den Behörden zusammenarbeiten. In den Workshops sei festgestellt worden, dass vielfach ein gegenseitiges Misstrauen das Verhältnis von Muslimen und Gesellschaft präge und die muslimischen Vereine noch intensiverer Kenntnis staatlicher Einrichtungen und Angebote bedürften.

Weiterbildungsstudiengänge

Die Erkenntnisse der Diskussionen werden gemäss Schmid nun in fünf Themenhefte verpackt, die 2018 erscheinen sollen, und daraus abgeleitet würden dann Weiterbildungsstudiengänge für Muslime entwickelt. (jk)