Kampfjet-Abstimmung
Nach Gripen-Nein: Wie viele Jets braucht die Schweizer Luftwaffe?

Die Gripen-Befürworter haben die Niederlage vom Sonntag noch nicht verdaut. Dennoch stürzen sie sich schon in die Debatte über Zeitpunkt und Umfang der nächsten Jet-Beschaffung. Die zentrale Frage dabei: Wie viele Kampfjets braucht es in der Schweiz?

Lorenz Honegger
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Ein F/A-18-Kampfjet steht vor dem Start in einem Hangar der Schweizer Luftwaffe.

Ein F/A-18-Kampfjet steht vor dem Start in einem Hangar der Schweizer Luftwaffe.

Keystone

Es ist Montag, Tag eins, nachdem das Stimmvolk den Kauf von 22 schwedischen Gripen-Kampfjets mit 53,4 Prozent abgeschmettert hat. Während sich Ueli Maurers Verteidigungsdepartement (VBS) zur Analyse zurückzieht, Interviewanfragen ablehnt und Detailauskünfte verweigert, zeichnet sich im Parlament bereits die nächste grosse Debatte um die Luftwaffe ab. Dieses Mal geht es um den Ersatz der 32 F/A-18. Jahr der Inbetriebnahme: 1997.

Die bürgerliche Sicherheitspolitikerin Corina Eichenberger (FDP/AG) fordert: Die Armee muss innerhalb der nächsten fünf Jahre neue Kampfjets evaluieren. Der grüne Alt-Nationalrat Jo Lang hält dagegen: Er und seine Mitstreiter im Parlament würden jeden Evaluationskredit vor 2020 bekämpfen. Der Schaffhauser SVP-Nationalrat Thomas Hurter, Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission, verlangt: Die künftige Flotte braucht mindestens vier Staffeln – also 44 Flugzeuge. Die Berner SP-Nationalrätin Evi Allemann kontert: Die heutigen 32 Jets sind eher zu viel, wenn man andere Länder anschaut.

Nur in einem Punkt sind sich der Verteidigungsminister, linke und rechte Sicherheitspolitiker einig: Nach dem Nein zum Gripen braucht es eine Gesamtschau über die Luftwaffe. Die Fragen sind zahlreich. Welche Rolle sollen Drohnen, die Boden-Luft-Abwehr, aber auch die Kooperation mit anderen Ländern (siehe Artikel oben) in Zukunft spielen? Wie viele Jets braucht es?

FDP-Müller macht Druck

Für FDP-Präsident Philipp Müller drängt die Zeit: Die Lebensdauer des F/A-18 sei begrenzt und viele Ersatzteile nur noch sehr teuer erhältlich. Das VBS müsse vorwärtsmachen. Der Chefingenieur für den F/A-18, Michel Godinat, sprach Anfang Monat im «Tages-Anzeiger» von 5000 Flugstunden, die dem amerikanischen Flieger bis 2025 blieben. In der gebirgigen Schweiz sei die Abnutzung dreimal so hoch als über den flachen Ebenen der USA. Eine Aufrüstung um 2020 lohnt sich laut dem Zeitungsbericht nicht. Die Zahl der Länder, die den F/A-18 dann noch in Betrieb haben werden, sei dafür zu klein.

Rafale-Website online

Nicht nur die Politiker, auch die Kampfjethersteller bringen sich nach dem Abstimmungssonntag wieder in Position. Der Gripen-Produzent Saab gibt sich grösste Mühe, der Schweiz alle Türe offen zu halten. In einem Statement spielt der Konzern bereits auf eine mögliche F/A-18-Offerte an: «Wir sind schon seit Jahrzehnten in der Schweiz tätig und werden der Schweizer Armee auch in Zukunft unsere Produkte und Lösungen anbieten.»

Auch der Rüstungskonzern EADS ist interessiert: Das Unternehmen machte am Abstimmungssonntag mit einem weiteren Occasionsangebot für seine Eurofighter von sich reden. Die «Schweiz am Sonntag» berichtete von einer Offerte für 22 bis 32 Flieger zum Preis von 2,2 Milliarden Franken.

Der Hersteller des französischen Kampfjets Rafale gibt sich noch bedeckt. Doch die Schweizer Website für den Flieger ist bis heute online. Das dürfte kaum ein Zufall sein.

Es gibt Kreditreste

Gestern bekräftigte das VBS zudem, dass es die 2014 budgetierte, für die Gripen-Beschaffung vorgesehene Tranche von 342 Millionen Franken nicht vollumfänglich für andere Zwecke einsetzen kann: «Es wird mindestens teilweise Kreditreste geben», heisst es beim Departement. Mehr wisse man erst Ende Jahr. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass ein Teil der Gripen-Millionen für den Schuldenabbau verwendet wird.