Diplomatie

Nach Gefangenenaustausch mit Iran: US-Botschafter lobt Aussenminister Cassis in den höchsten Tönen

Ende einer Leidenszeit: US-Botschafter Edward McMullen umarmt am Flughafen in Zürich US-Bürger Xiyue Wang, der aus iranischer Haft freigekommen ist.

Ende einer Leidenszeit: US-Botschafter Edward McMullen umarmt am Flughafen in Zürich US-Bürger Xiyue Wang, der aus iranischer Haft freigekommen ist.

In Zürich tauschen die USA und der Iran Gefangene aus. Donald Trump und der Botschafter in Bern danken der Schweiz überschwänglich. Auch der Iran rühmt die diplomatischen Bemühungen unseres Landes.

An der Heimatfront bläst Ignazio Cassis ein eisiger Wind ins Gesicht. In Umfragen erteilt das Volk dem Aussenminister regelmässig die Note ungenügend. Auch die Medien geizen nicht mit Kritik am FDP-Magistraten. Und die Grünen wollen dem Tessiner am nächsten Mittwoch den Bundesratssitz abknöpfen.

Wenige Tage vor der Gesamterneuerungswahl wird Cassis nun mit Lob vom Ausland überschüttet. Die USA und der Iran danken für die traditionellen guten Dienste, welche die Schweiz bei einem Gefangenenaustausch geleistet hat. Seit 1980, kurz nach der Islamischen Revolution, vertritt die Schweiz im Iran die Interessen der USA als Schutzmacht.

Der letzte Akt der erfolgreichen helvetischen Diplomatie spielte sich am Samstag beim Flughafen Zürich ab. US-Historiker Xiyue Wang konnte, beglückwünscht von Edward McMullen, dem US-Botschafter in Bern, die Heimreise antreten. Er war 2016 während eines Forschungsaufenthalts im Iran festgenommen worden und sollte eine zehnjährige Haftstrafe wegen Spionagevorwürfen verbüssen. Gleichentags bestieg in Zürich der iranische Stammzellenforscher Massud Soleimani ein Flugzeug in Richtung Heimat. Soleimani wurde 2018 bei seiner Ankunft am Flughafen in Chicago festgenommen. Gemäss iranischen Medienberichten wurde ihm der Import illegaler Wachstumshormone zur Last gelegt. Auf dem Weg in den Iran wurde Soleimani von Aussenminister Mohammad Dschawad Sarif begleitet. Wie McMullen liess der iranische Politiker die Welt mit einem Foto auf Twitter an der Neuigkeit teilhaben.

Botschafter spricht von «fantastischer Arbeit»

In einem offiziellen Statement vom Samstag dankte US-Präsident Donald Trump der Schweiz für die Unterstützung bei den Verhandlungen für den Gefangenenaustausch. In einem Interview mit dem Schweizer Radio und Fernsehen doppelte Edward McMullen nach. Die Schweiz habe grosses Engagement gezeigt. «Präsident Trump möchte keine Zweifel daran lassen, wie dankbar die Regierung der Vereinigten Staaten für diese fantastische Arbeit ist», sagte McMullen. Cassis bezeichnete er als einen «echten Führungstypen», der die Wichtigkeit der Beziehung zwischen den USA und der Schweiz verstanden habe. Und: «Bundesrat Cassis ist einer der engagiertesten Aussenminister, mit denen ich je zusammengearbeitet habe.»

Äusserst freundliche Worte wählte auch der iranische Aussenminister Sarif. Er sei glücklich, dass Wang und Soleimani bald in den Schoss ihrer Familien zurückkehren könnten. «Vielen Dank an alle, die sich dafür eingesetzt haben, besonders an die Schweizer Regierung», twitterte er.

Die iranische Justiz erklärte, Wang sei «auf der Grundlage islamischer Milde» freigelassen worden, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. US-Präsident Trump dankte derweil dem Iran für die «fairen Verhandlungen» und kündigte an, weiterhin alles zu tun, um alle im Iran und weltweit unrechtmässig festgehaltenen US-Bürger zurückzuholen.

Und Ignazio Cassis? Der Bundesrat suchte nicht das Rampenlicht. Das Aussenministerium verbreitete keine Medienmitteilung. Auf Twitter teilte FDP-Mann Cassis lediglich mit: «Die Schweiz konnte im Rahmen ihres Schutzmachtmandats zum Austausch von zwei Gefangenen zwischen Iran und den USA beitragen.»

Autor

Kari Kälin

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