Rudolf Elmer hat sich zu früh gefreut. Am Mittwoch feierte er in Lausanne seinen Sieg vor dem Bundesgericht. Es bestätigte seinen Freispruch, er habe das Bankgeheimnis nicht verletzt. Erleichtert schritt er vor die Kameras und vergnügt zum Mittagessen mit seinen Angehörigen.

Erst als er die Mitteilung des Gerichts studierte, realisierte er, was auf ihn zukommt. Verfahrenskosten von 320 000 Franken. Denn in diesem Punkt ist ihm das Bundesgericht nicht entgegengekommen. Obwohl ihn die Vorinstanz, das Zürcher Obergericht, ebenfalls im Hauptpunkt freigesprochen hatte, hatte es ihm die Verfahrenskosten zu drei Vierteln übertragen. Der Grund: Er habe das Verfahren selber verschuldet.

Rudolf Elmer hat Bankgeheimnis nicht verletzt

Rudolf Elmer hat Bankgeheimnis nicht verletzt

Dies hat das Bundesgericht in einer öffentlichen Beratung entschieden und die Beschwerde der Zürcher Staatsanwaltschaft abgewiesen.

Die Strafuntersuchungsbehörde habe richtig gehandelt: Sie dürfe nicht untätig bleiben, wenn sie erfahre, dass Bankdaten der Redaktion einer Schweizer Zeitschrift und Steuerämtern zugeschickt worden seien. Bei den Ermittlungen habe sich Elmer zudem unkooperativ verhalten und das Verfahren so in die Länge gezogen.

Elmer trieb den Staatsanwalt zur Weissglut, weil er seine Daten nach dem «Eichhörnchen-Prinzip» abgelegt hatte. Elmer verwendet diesen Begriff selber, in stolzem Ton, und der Staatsanwalt hat ihn übernommen, in verächtlichem Ton.

Das Eichhörnchen-Prinzip geht so: Elmer hatte auf seinen Datenträgern die unfassbare Menge von 7,5 Millionen Dateien nach einer für Aussenstehende nicht nachvollziehbaren Ordnerstruktur gespeichert. Der Staatsanwalt musste sich durch tausende Dokumente klicken, um sich ein Bild des Datenlecks machen zu können.

PR-Gag mit einer CD

Elmer besitzt die Dokumente der damaligen Offshoregeschäfte von Julius Bär noch immer. Er bunkert sie in einem ausländischen Tresor, wie er sagt. Nach eigenen Angaben hat er erst fünf Prozent seiner Daten veröffentlicht. Da er sich damit gemäss Bundesgericht in der Schweiz nicht strafbar gemacht hat, plant er nun, auch die restlichen Daten publik zu machen. Und zwar in einer speziellen Form.

Elmer arbeitet an einem Buch mit dem Arbeitstitel «Humor und Offshore». Es soll eine Sammlung von Witzen, Gedichten und Anekdoten aus dem Leben eines Offshore-Bankers werden. Als Marketing-Gag erwägt er, dem Buch eine Daten-CD beizulegen.

Elmer erklärt: «Das ‹Eichhörnchen› muss überleben und es ist bereit, seinen Schatz zu vermarkten, um sich vor dem Schaden von 320 000 Franken zu schützen.» Er werde alles tun, um das Buch zum Erfolg zu führen.

Einen PR-Gag mit einer Daten-CD hat Elmer schon einmal lanciert. 2011 inszenierte er die Übergabe von weiteren Daten-CDs an Wikileaks-Gründer Julian Assange, um seinen Prozess in Zürich zu vermarkten. Elmer trat mit ernster Miene auf, doch die CDs waren leer. Nun will er sie humorvoll vermarkten, doch diesmal sollen sie tatsächlich gefüllt sein. Die Elmer-Show geht weiter.