Analyse

Nach Entlassung: Die Engelsgeduld mit Ludovic Magnin hat sich nicht ausbezahlt

Ratlos: Ludovic Magnin ist als Trainer des FC Zürich gescheitert.

Ratlos: Ludovic Magnin ist als Trainer des FC Zürich gescheitert.

Analyse zur überfälligen und dennoch überraschenden Absetzung des Cheftrainers beim FC Zürich

FC Zürich und dessen Präsidenten Ancillo Canepa als neuer Cheftrainer vorgestellt wird, sagt er: «Ich will unberechenbar sein, niemand in der Schweiz soll wissen, wie der FCZ am Wochenende aufläuft.» Er meint damit Taktik und Aufstellung. Gut zweieinhalb Jahre später ist zu sagen: An der Umsetzung hat es gehapert. Verwirrt hat Magnin die Konkurrenz kaum einmal. Viel eher seine eigene Mannschaft, die am Matchtag häufig nicht zu wissen schien, was genau zu tun ist.

Die Mängelliste beim FCZ in Magnins Amtszeit ist lang: Mit Ausnahme des glückhaften Cupsiegs 2018 (Gegner YB vom Meisterrausch verkatert) und des glückhaften Weiterkommens in der Europa League 18/19 (Leverkusen wurde in der 94. Minute ein reguläres Tor aberkannt) sind die sportlichen Resultate ungenügend. Zwei siebte Plätze in der Super League sowie ein zweimaliges frühes Ausscheiden im Cup in zwei Spielzeiten, die ganz in seiner Verantwortung liegen, sind ein schlechter Leistungsausweis.

Das 0:4 in Lausanne lässt das Fass überlaufen

Der 41-Jährige hat es nicht geschafft, dem Team eine erkennbare Handschrift zu verleihen. Eine kontinuierliche Entwicklung zu mehr Stabilität und hin auf ein höheres Niveau war nicht zu beobachten. Happige 0:4-Klatschen waren in der letzten Saison an der Tagesordnung, das blamable 0:4 bei Aufsteiger Lausanne am Samstag passte in diese Reihe und liess das Fass nach zwölf Pflichtspielen ohne Sieg nun selbst bei Ziehvater Canepa überlaufen.

Einwendungen, Magnin habe manche Einzelspieler weitergebracht, man sehe es doch gerade jetzt an den Verkäufen von Kevin Rüegg und Simon Sohm in die Serie A, klingen einleuchtend, aber: Hat Rüegg nicht eher stagniert und Sohm trotz Länderspielaufgebot noch nicht nachgewiesen, das überragende Talent zu sein, das einige in ihm sehen? Magnin hat sich nie gescheut, junge Spieler einzusetzen. Ein Schelm, wer denkt, er habe das gemacht, um sicher im Sattel zu bleiben. Im Januar ist er dafür noch mit einer Vertragsverlängerung um zwei Jahre belohnt worden.
Magnin ist ein temperamentvoller FCZ-Trainer gewesen, aber viel zu oft auch einer, der den Anstand verloren hat und keine Zierde für die Trainerzunft war. Die Schiedsrichter werden nicht unglücklich sein, ihn nicht mehr an der Linie zu sehen.

Aus Trotz an einem Trainer festzuhalten, ist ungut

Es ist prinzipiell gut, wenn Vereine auch bei Misserfolgen nicht gleich einknicken und Trainern ihres Vertrauens die Treue halten. Wenn sie es aber vor allem aus Trotz tun und um Kritikern nicht recht zu geben, dann läuft etwas schief. Klar, Canepa ist Besitzer des FCZ und wer zahlt, der befiehlt. Doch die grosse Fangemeinschaft muss deswegen noch lange nicht alles gut finden. Dass dem Präsidenten finanzielle Solidität wichtig ist, hat selbstverständlich gute Gründe. Der FCZ-Sympathisant wünscht sich aber schon auch, dass die Balance zwischen finanziellen und sportlichen Ambitionen stimmt.

Wer Magnins Nachfolger wird, ist offen. Es wird spekuliert, dass es Marc Schneider sein könnte, der am Montagmorgen beim FC Thun demissioniert hat. Oder kreiert der FCZ etwa das hoch explosive Duo Canepa/René Weiler?

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1