Bahnverkehr

Nach Entgleisungen in Luzern und Bern: SBB will Schäden an Schienen und Weichen früher erkennen

Der Grund für die Entgleisung eines BLS-Regionalzugs in Bern von Ende März ist aller Voraussicht nach ein Ermüdungsbruch der Weichenzungenschiene. Die SBB prüft nun schärfere Kontrollen. (Archivbild)

Der Grund für die Entgleisung eines BLS-Regionalzugs in Bern von Ende März ist aller Voraussicht nach ein Ermüdungsbruch der Weichenzungenschiene. Die SBB prüft nun schärfere Kontrollen. (Archivbild)

Nach den beiden Entgleisungen in den Bahnhöfen Luzern und Bern von Ende März prüft die SBB verschiedene Massnahmen im Netzunterhalt. Schäden an Schienen und Weichen sollen noch früher und besser erkannt werden. Bis Ende Jahr wird über mögliche Anpassungen entschieden.

Die Ursache der Entgleisung in Luzern ist noch unklar, wie die SBB am Montag mitteilte. Ausgegangen werde "von einer seltenen Verkettung von Elementen, die für sich alleine nicht zu einer Entgleisung führen würden". Es sei kein Schienenbruch vorgelegen.

SBB sagt Zugentgleisungen den Kampf an

SBB sagt Zugentgleisungen den Kampf an

Nach den Entgleisungen in Bern und Luzern: Ultraschall-Überprüfungen sollen Schäden an den Schienen und Weichen früher erkennen.

In Bern weise alles auf einen Ermüdungsbruch im Fuss der Weichenzungenschiene hin. "Es ist das erste Mal, dass ein solcher Defekt auf dem Netz der SBB zu einer Entgleisung geführt hat." Die Abklärungen der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (SUST) sind noch nicht abgeschlossen.

SBB: Kein Zusammenhang zwischen Entgleisungen in Bern und Luzern

SBB: Kein Zusammenhang zwischen Entgleisungen in Bern und Luzern

Bern – 8.5.17 – Die jüngsten Zugentgleisungen in Luzern und Bern haben keine gemeinsame Ursache. So informierte die SBB am Montag an einer Medienkonferenz in Bern. Während die Ursache der Entgleisung eines Eurocity-Zuges am 22. März 2017 noch unklar ist, sei die Entgleisung eines BLS-Zuges in Bern kurz darauf auf einen Ermüdungsbruch der Weiche zurückzuführen.

Sicher sei aber, dass zwischen den Entgleisungen der zwei Züge innert Wochenfrist kein Zusammenhang bestehe. "Es sind zwei zeitlich nah zusammenliegende Einzelfälle."

Bilder der Entgleisung in Luzern:

4 Verletzte bei Zugunglück in Luzern

Vier Verletzte bei Zugunglück in Luzern

Wenig Störungen trotz hoher Belastung

Trotzdem handelt die SBB: Noch vor der Publikation der Schlussberichte zu den Unfällen werden Verbesserungen der Bahninfrastruktur diskutiert. Im Zentrum der Analyse stünden zusätzliche Massnahmen, welche die Früherkennung von Schäden weiter verbessern könnten, heisst es in der Mitteilung.

Ein besonderes Augenmerk richtet das Bahnunternehmen auf die Weichen respektive die Weichenzungen. Dies ist der bewegliche Teil der Weiche, der die Fahrrichtung bestimmt. Weil sie ein flexibles Bauteil ist, ist sie bei der Überfahrt eines Zuges auch bei einer Maximalgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde im Bahnhofbereich grossen Belastungen ausgesetzt.

Die meistgenutzten der insgesamt 12'749 Weichen in der Schweiz würden 380 Mal am Tag befahren. Trotzdem kommen laut SBB Weichenstörungen, welche die Fahrbahn betreffen, äusserst selten vor.

Bahnhofweichen maschinell prüfen

Weiteren Störungen und Zwischenfällen will die SBB vorbeugen. Die Ultraschallprüfungen, welche die SBB bei Bahnhofweichen mindestens jährlich ausführt, erfolgen bisher von oben nach unten. Die SBB analysiert nun, ob mit Ultraschallprüfungen auch von der Seite Ermüdungsbrüche im Schienenfuss diagnostiziert werden könnten.

Zudem prüft die SBB, ob neuralgische Bahnhofweichen künftig auch maschinell mit dem Diagnosefahrzeug geprüft werden können. Der Vorteil einer solchen dynamischen Überwachung sei, dass die Weiche dabei belastet sei und die Prüfung somit unter "realen" Bedingungen erfolge.

Reparaturarbeiten im Bahnhof Luzern dauern an

Reparaturarbeiten im Bahnhof Luzern

Relativ glimpflich ausgegangen

Am 22. März war im Bahnhof Luzern ein italienischer Eurocity-Zug mit 160 Personen an Bord entgleist. Beim Vorfall wurden sechs Personen leicht verletzt. Ein Wagen kippte um und unterbrach den Bahnstrom. Es entstand Schaden in Millionenhöhe. Die Normalspur-Züge im Bahnhof ruhten für Reparaturarbeiten viereinhalb Tage lang.

Nur kurz danach, am 29. März, kam es im Bahnhof Bern zu einem zweiten Unfall. Die S-Bahn S44 entgleiste bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof mit zwei Drehgestellen. Es handelte sich um eine NINA-Doppelkomposition der BLS. Die neunzig Reisenden im Zug konnten evakuiert und zum Bahnhof begleitet werden. Verletzt wurde niemand. An den Gleisanlagen entstand Sachschaden.

Zugsentgleistung im Bahnhof Bern

Zugsentgleistung im Bahnhof Bern

Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Bern Richtung Wankdorf ist am Mittwochmittag eine S-Bahn der BLS entgleist. 

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