Bahnverkehr
Nach Entgleisungen in Luzern, Bern und Basel: So reagiert die SBB

2017 entgleisten in drei wichtigen Schweizer Bahnhöfen gleich drei Personenzüge. Obwohl bislang erst die Ursache der Entgleisung in Bern feststeht, glaubt die SBB, dass ein spezieller Weichentyp an allen drei Entgleisungen schuld ist – und ergreift nun Massnahmen.

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In einer Mitteilung hat die SBB heute Donnerstag über den Stand der Untersuchungen zu den drei Entgleisungen von Personenzügen auf Bahnhofweichen im vergangenen Jahr informiert.

So entgleiste am 22. März ein Eurocity-Zug von Trenitalia im Bahnhof Luzern. Eine Woche später sprang eine S-Bahn der BLS bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Bern aus den Schienen. Und in Basel entgleiste am 29. November ein ICE der Deutschen Bahn.

Die Zugentgleisung im Bahnhof Luzern in Bildern:

Die Entgleisung ereignete sich laut Angaben eines sda-Korrespondenten vor Ort unterhalb der Langensandbrücke.
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Ein Wagen kam auf der Seite zu liegend.
Das Dach wurde aufgeschlitzt. Zudem wurde mindestens ein Fahrleitungsmast umgerissen.
Nach der Entgleisung des Neigezugs mussten die Passagiere gut eine Stunde in den entgleisten Wagen ausharren.

Die Entgleisung ereignete sich laut Angaben eines sda-Korrespondenten vor Ort unterhalb der Langensandbrücke.

Keystone

Alle drei Zugunglücke mit gleichem Weichentyp

Zwar seien die Untersuchungen der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUST) sind noch nicht abgeschlossen, wie die SBB in ihrer Mitteilung schreibt. Bis jetzt stehe erst die Ursache der Entgleisung in Bern am 29. März fest: ein Ermüdungsbruch der Weichenzungenschiene.

Dennoch habe die SBB bereits Massnahmen definieren können. Dies, weil die Entgleisungen in Luzern und Basel sich auf demselben Weichentyp ereigneten, der wegen der engen Platzverhältnissen technisch komplex ist. Aufgrund des heutigen Kenntnisstandes geht die SBB davon aus, dass dieser spezielle Weichentyp einer von mehreren Faktoren bei den beiden Entgleisungen war. Es gebe schweizweit vier Weichen dieses Typs, die regelmässig von Personenzügen in ähnlicher Weichenstellung befahren werden – je zwei in Basel und Luzern.

Schrittweiser Ersatz der Weichen bis 2019

Bereits nach den beiden Entgleisungen im ersten Halbjahr 2017 habe die SBB zu prüfen begonnen, wie sie die Bahnhofweichen noch sicherer machen und deren Zustand und Verschleiss besser kontrollieren kann. Die SBB wolle bei der Überwachung dieser Weichen neue Wege gehen und diese zunehmend maschinell überwachen.

Ausserdem ersetzt die SBB bei den vier betroffenen Weichen die Weichenzungenverschlüsse durch ein neueres Modell, wie sie in der Mitteilung weiter ausführt. Der neue Verschluss halte den beweglichen Teil der Weiche bei der Überfahrt eines Zuges in der richtigen Position. Der Ersatz erfolge bis Ende März 2018.

Der Austausch in allen 45 derartigen Weichen soll laut der SBB voraussichtlich bis Mitte 2019 dauern. Bis Ende 2019 plane die SBB schliesslich auch den vollständigen Ersatz der vier kritischen Weichen. (luk)