WM 2018
Nach Doppeladler-Geste: Bundesräte stellen sich hinter Xhaka und Shaqiri

Sportminister Guy Parmelin von der SVP und Aussenminister Ignazio Cassis von der FDP haben die Gesten der beiden albanischstämmigen Fussballspieler Granit Xhaka und Sherdan Shaqiri am Freitag im Fussballspiel gegen Serbien in der "NZZ am Sonntag" verteidigt.

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Bundesrat Parmelin verfolgte das Spiel vor Ort in Russland.

Bundesrat Parmelin verfolgte das Spiel vor Ort in Russland.

LAURENT GILLIERON

"Wer die aufgeladene Stimmung miterlebt hat, schätzt die Leistung der Schweizer Nati umso mehr und kann verstehen, wenn die Emotionen mit einem Spieler durchgehen", sagte Parmelin, der das Spiel im Stadion mitverfolgt hatte. Es sei aber nicht im Sinne des Sports, aus den Emotionen nun eine Polemik entstehen zu lassen, sagte er weiter.

Aussenminister Cassis nannte die Equipe am Samstag nach dem Spiel zudem ein perfektes Beispiel für die Verschmelzung verschiedener Kulturen. Zu den Doppeladler-Gesten sagte der Bundesrat mit italienischen Wurzeln der Zeitung: "Ich zweifle nicht, dass man patriotische Emotionen für die Nation empfinden kann, die einen aufgenommen hat, ohne sein Heimatland zu vergessen."

Granit Xhaka feiert sein Tor mit gekreuzten Händen - dem Symbol für den albanischen Doppeladler.
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Kurz vor Abpfiff trifft auch Xherdan Shaqiri – und tut es Xhaka gleich.
Auch Nati-Captain Stephan Lichtsteiner formte seine beiden Hände zum Doppeladler, obwohl er keinen Migrationshintergrund hat. Er wollte sich mit seinen Mitspielern solidarisieren.
Wie die FIFA in einem Schreiben mitteilte, leitete sie ein Verfahren gegen die beiden Nationalspieler Xhaka und Shaqiri ein.
Auch SFV-Generalsekretär Alex Miescher sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen: «Politische Statements haben im Sport nichts verloren, doch das waren keine. Ich verstehe, dass Kritik kommt. Jeder kann seine Meinung äussern, jeder darf seinen Blickwinkel haben. Wir hoffen einfach, dass der Sieg darob nicht vergessen geht.»

Granit Xhaka feiert sein Tor mit gekreuzten Händen - dem Symbol für den albanischen Doppeladler.

Keystone

Anderer Meinung war SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, die ihrem Unmut bereits am Freitag auf Twitter Luft machte: «Die beiden Goals sind nicht für die Schweiz gefallen, sondern für Kosovo.» Ihr Ratskollege Mauro Tuena spricht gar von einer «Sauerei».

Die Gesten sorgten auch bei der CVP für Unverständnis: «Sie sollten sich entscheiden, ob sie Schweizer oder Albaner sind», meinte etwa Nationalrätin Kathy Riklin.

Überraschend mild äusserte sich gemäss «NZZ am Sonntag» der SVP-Hardliner Andreas Glarner: Er wies darauf hin, dass die Emotionen angesichts der aufgeheizten Stimmung nachvollziehbar seien.

Unmittelbar nach der Partie am Freitag in Kaliningrad hatten sich zahlreiche Politiker geäussert - nicht nur unterstützend. Am Samstag leitete die FIFA ein Verfahren gegen Xhaka und Shaqiri ein. Es wird geprüft, ob die Jubelposen nach deren Treffern politisch motiviert waren. Der doppelköpfige Adler ziert die Flagge Albaniens. Serbien anerkennt den Kosovo nicht als eigenständiges Land. (sda/sam)