Tunnelsicherheit
Nach dem Tunnel-Check: Schweizer Röhren sollen sicherer werden

Zwei von drei getesteten Schweizer Strassentunnels schneiden in einem Test unter fünf europäischen Ländern vergleichsweise schlecht ab. Trotzdem erfüllen sie die minimalen Sicherheitsstandards.

Daniel Fuchs
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Für Schweizer Automobilisten und Tunnelbetreiber ist es eine unangenehme Nachricht: Zwei von drei getesteten Autobahntunnels hinken punkto Sicherheit sieben europäischen hinterher. Nach einem Stichprobentest landete der Isla-Bella-Tunnel im Bündnerland auf dem letzten Platz. Den Experten - sie wurden vom Touring Club Schweiz (TCS) und vier anderen europäischen Automobilclubs beauftragt - missfielen vor allem die fehlenden Fluchtwege in der 2,5 Kilometer langen Röhre mit Baujahr 1983.

Gubrist von «gut» auf «ausreichend»

Auch wenn das Gesamturteil für den Isla-Bella-Tunnel immer noch «ausreichend» ist und er die minimalen Sicherheitskriterien erfüllt: Im Extremfall müssen Personen einen über einen Kilometer langen Marsch antreten, um die sicheren Tunnelportale zu erreichen. Der Tunnel auf der A13 wurde bereits zum zweiten Mal getestet. Immerhin: Das «mangelhaft» von vor zwölf Jahren konnten die Verantwortlichen abschütteln. Heute saugt ein besseres Belüftungssystem Rauch schneller ab.

Doch nicht nur der Isla-Bella-Tunnel bereitet Sorgen. Auch der stark befahrene Gubristtunnel auf dem Zürcher Nordring erfüllt die Sicherheitskriterien laut den Testergebnissen nur noch knapp. Bei einer Untersuchung von 2002 vergaben die Prüfer dem Gubrist noch das Label «gut». Unterdessen aber stehen die Fahrzeuge häufig im Stau, was sich zu Buche schlägt, wie Olivier Caspar, Verkehrsingenieur beim Touring Club der Schweiz (TCS), zur «Nordwestschweiz» sagt. «Wenn ein Fahrzeug dann zu brennen beginnt, hat man dort ein Problem.»

Test vermittelt verzerrtes Bild

Strassentunnels, die die Sicherheitskriterien nur ganz knapp erfüllen - ein Problem für die Schweiz als sicheres Land für Geschäftsreisende und Touristen. Der TCS-Verkehrsingenieur Caspar beruhigt: «Noch vor fünf Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass alle getesteten Tunnels den Kriterien genügen.» In den vergangenen Jahren habe sich vieles verbessert. Viele Tunnels seien nachgerüstet worden. Das gelte übrigens auch für die übrigen Länder, in welchen man die Tunnels getestet habe.

So glänzen nun die Betreiber des österreichischen Tauerntunnels mit der Bestnote «ausgezeichnet». Das Nadelöhr auf der A10 verbindet Salzburg mit Villach. 1999 forderte ein Tunnelbrand zwölf Menschenleben.

Doch zurück in die Schweiz: Immerhin haben die Experten einen der drei getesteten Strassentunnels mit «gut» bewertet: den Schweizerhalletunnel zwischen Basel und Pratteln. Ein Tunnel, der mit täglich 126 000 passierenden Fahrzeugen und einem Lkw-Anteil von über 20 Prozent hohe Risiken birgt. Das gute Testergebnis wirkt wie Balsam auf die Tunnelbau-Nation Schweiz.

Von den Studienergebnissen wollen sich die für Autobahnen Verantwortlichen beim Bundesamt für Strassen (Astra) nicht aufschrecken lassen. Die Schweizer Strassentunnels seien sicher und gut, sagt Astra-Sprecher Guido Bielmann zur «Nordwestschweiz». Von den insgesamt 228 Autobahntunnels seien 3 ausgewählt worden. Am Isla-Bella-Tunnel erfolge 2018 der Bau eines Fluchtstollens, am Gubrist frühestens 2015 der Bau einer dritten Röhre, der den Verkehrsfluss verbessern soll.