Nach dem Kauf über die Nutzung reden

Das alte Gemeindehaus in Affoltern jetzt kaufen und danach über den Verwendungszweck diskutieren. Das schwebt dem Mitglied des «Komitees zur Rettung des Alten Gemeindehauses», Hans Rudolf Haegi vor. Dem Kirchenpflegepräsidenten Christian Bühler eilt es nicht so sehr.

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Gemeindehaus

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Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Seit zwei Jahren - nach dem Antrag der reformierten Kirchenpflege an die Kirchgemeinde-Versammlung vom 2. Dezember 2007, sich nicht mit dem Alten Gemeindehaus befassen zu müssen! - setzt sich das «Komitee zur Rettung des Alten Gemeindehauses» in Affoltern für einen Kauf durch die Reformierte Kirchgemeinde ein. Die Kirchenpflege bekam von der Politischen Gemeinde Anfang dieses Jahres das einmalige Angebot, den markanten Riegelbau an der Zürichstrasse - in unmittelbarer Nähe der Kirche - zum Preis von 50 000 Franken zu erwerben.

Nachdem die Kirchenpflege eine Arbeitsgruppe eingesetzt hatte, hat sich diese bislang nur zu einer Sitzung getroffen. Konkretes liegt aber nicht vor. Hans Rudolf Haegi vermutet, dass die Angelegenheit «vertrödelt» wird. Für das Komitee ist klar: Hier bietet sich eine Chance, die Liegenschaft zu einem Vorzugspreis zu erwerben. Ein Abschluss des Handels ist allein Sache der reformierten Kirchenpflege und des Gemeindrates. Hans Rudolf Haegi: «Die Kosten sind jedenfalls kein Argument, das gegen den Kauf sprechen würde.

Die Liegenschaft mitsamt den 550 Quadratmetern Umschwung soll vorerst einmal gekauft werden - und dann kann ohne jeden Zeitdruck konkret über den Verwendungszweck diskutiert werden. Der Kauf wird über das Finanzvermögen abgewickelt. Die reformierte Kirchenpflege hat - gemäss Gesetz - zudem die Möglichkeit, die 50 000 Franken direkt abzuschreiben. Die finanzielle Situation der Kirchgemeinde lässt dies zu. Der guten Form halber können 49 999 Franken als Preis für den Kauf des Zugangs zum Kirchenareal verwendet werden (Verwaltungsvermögen), der restliche Franken bleibt als Basiswert des Gebäudes für die Planung der zukünftigen Nutzung bestehen.»

Bei Renovation und Einrichtung von Büros könne später auf dieser finanziell mehr als gesunden Startbasis (Fr. 1.--) ein Ertrag erwirtschaftet werden. Und ein rascher Kauf durch die Kirchenpflege sei nicht nur wegen des mehr als fairen Preises dringlich. Schliesslich arbeite der Gemeinderat ab Anfang nächsten Jahres in neuer Zusammensetzung. Und dieser verliere dann womöglich die Geduld und entziehe der unschlüssigen Kirchenpflege die Offerte, so Hans Rudolf Haegi. Und er sagt weiter: «Unter gleichgestellten Behörden geht man nicht so miteinander um, wie das die Kirchenpflege seit bald drei Jahren vormacht. Aber offenbar haben aussenstehende Berater in der Pflege heute so viel zu sagen, dass die Kirchenpflege den ihr allein zustehenden Kaufentscheid nicht zu treffen wagt.»

«Ich will, dass die Leute in die Kirche kommen»

Christian Bühler, Präsident der reformierten Kirchenpflege, macht deutlich, dass es ihm mit einem Kauf nicht so sehr drängt wie dem Komitee. Und er sagt auch gleich, dass er sich in der Kirchenpflege gegen einen Kauf ausgesprochen hat. «Wenn die Mehrheit das Haus erwerben will, ist das für mich aber kein Problem», fügt er bei. Ein Verwendungszweck und Kosten seien sorgfältig zu evaluieren. «Soll es eine schmalbrüstige oder eine grössere Renovation sein? Was will das Volk? «Darüber können wir auch 2010 noch reden. Wir werden das Geschäft gewiss nicht unter den Tisch wischen. Aber wir haben andere Prioritäten. Ich will in erster Linie, dass die Leute in die Kirche kommen», hält Christian Bühler fest.