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Nach «Burglind»: Gibt Sturm «Evi» den geschwächten Wäldern den Rest?

Nachdem der Sturm Burglind die Wälder arg in Mitleidenschaft gezogen hat, fegt «Evi» über die Schweiz. Was Förster erwarten.

Deborah Bläuer
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In diesem Wald im Berner Seeland richtete "Burglind" Schäden an. Bei Sturm "Evi" werden in den Wäldern weniger Schäden erwartet.

In diesem Wald im Berner Seeland richtete "Burglind" Schäden an. Bei Sturm "Evi" werden in den Wäldern weniger Schäden erwartet.

zvg

«Burglind» hat ordentlich gewütet und ganze Bäume geknickt oder entwurzelt. Rund 1,3 Millionen Kubikmeter Sturmholz, nennt der Verband der Waldeigentümer, WaldSchweiz, eine erste provisorische Zahl. Besonders schlimm hat es die Kantone Aargau, Zürich, Solothurn, Bern und Luzern erwischt. Nun kommt das nächste Ungemach: Sturm Evi fegt am Dienstag mit 70 bis zu 160 km/h über die Schweiz. Gibt das den geschwächten Wäldern nun endgültig den Rest?

Als Sturm "Burglind" am 3. Januar in der Schweiz wütete, kannte er keine Gnade. Was labil war, wurde kurzerhand umgeworfen, geknickt oder herausgerissen. Einige Bäume, die zuvor fest und sicher standen, sind jetzt wackelig. Sie werden wahrscheinlich „Evi“ zum Opfer fallen. „Ich hoffe, dass es nicht schlimm kommt“, sagt Roger Wirz, Stadtförster von Forstbetrieb Region Aargau. „Es hat noch ein Haufen angestossener Bäume. Ein paar sind schon gefallen.“ Ebenfalls ungünstig ist, dass der Boden zurzeit nass und weich ist. Denn dadurch finden die Wurzeln weniger halt.

Das Waldstück bei Kestenholz wurde durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.
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Das Waldstück bei Kestenholz wurde im Januar 2018 durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.
So hat Burglind in Fulenbach gewütet
Ein Mann duckt sich vor einer grossen Welle in Vevey am Genfersee.
Auf dem Campingplatz Wiggerspitz in Aarburg verschob der Sturm Burglind eine ganze Reihe Wohnwagen, einen kippte er gar.
Dieser Lastwagen fiel «Burglind» zum Opfer. Er blockierte die Durchfahrt auf der Autobahn A1 Fahrtrichtung Bern zwischen Oensingen und Niederbipp.
Unwetterschäden Sturm Burglind Region Olten
Kein Bänkliwetter am Zugersee.
In Suhr stürzte ein Baugerüst um.
Aus den Gondeln der Pizolbahn in Bad Ragaz (GR) mussten mehrere Menschen evakuiert werden. Die Leitungen der Bahn waren von fallenden Bäumen getroffen worden.
In Münchenstein (BL) stürzten unter anderem Bauabschrankungen und ein WC-Häuschen um.
Zwischen Oensingen und Niederbipp kippte ein Lastwagen.
Wegen mehreren umgekippten Lastwagen war die A1 Fahrtrichtung Bern für zwei Stunden gesperrt.
Ein Baugerüst an einem Neubau in Littau (LU) landete am Boden.
Als sich "Burglind" verzog, bildete sich ein Regenbogen über dem Genfersee.
Acht Verletzte gab es bei einer Entgleisung der Montreux-Berner Oberland-Bahn in Lenk.
Zwischen Bremgarten und Wohlen fiel ein Baum auf ein Auto. Der Fahrer verletzte sich leicht.
In Full-Reuenthal hat "Burglind" die Linde beim Schulhaus gefällt. Sie galt hier als ein Wahrzeichen.
In Volksdorf (D) ist eine Windkraftanlage eingeknickt.
Baum auf Auto in Bern.
Ein Kleinflugzeug wurde auf dem Gelände der Ruag beim Flugplatz Buochs (NW) auf den Rücken gelegt.
Auf dem Wettsteinplatz brachte "Burglind" einen Weihnachtsbaum zum Kippen.
In Zug stürzte ein Anhänger auf ein Auto.
Auch in der Region Olten hinterliess der Sturm Spuren.
Zwischen Rünenberg (BL) und Gelterkinden (BL) wurde ein Fahrzeug der Feuerwehr von einem umstürzenden Baum getroffen und massiv beschädigt.
In Laufen (BL) fiel ein grosser Baum genau neben ein Haus. Dabei beschädigten die Wurzeln das angrenzende Trottoir und die Mauer des Grundstücks.

Das Waldstück bei Kestenholz wurde durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.

KEYSTONE/CHRISTIAN MERZ

Dramatisch wird es nicht

Daniel Böhi, Leiter des Forstamtes Thurgau, sieht „Evi“ grundsätzlich gelassen entgegen: „Wir gehen davon aus, dass dieser Sturm keine grosse Schäden bringen wird, da er relativ schwach ist.“ Lokal würden wahrscheinlich ein paar instabile Bäume umfallen, doch die meisten seien bereits von „Burglind“ umgeworfen worden. Dramatisch werde es im Mittelland sicher nicht, sagt er. In den Alpen könne er es allerdings nicht ganz ausschliessen.

Auch der Direktor von WaldSchweiz, Markus Brunner, rechnet mit deutlich weniger Schäden. Eine genaue Prognose kann er jedoch nicht machen. Das Schlimmste dürfte mit „Burglind“ also bereits überstanden sein. In den Wald zu gehen, empfiehlt sich aber trotzdem nicht. Zu gross ist die Gefahr, von Bäumen, Ästen oder abgeknickten Baumkronen, die noch in anderen Bäumen hängen, getroffen zu werden. Deswegen verzichten die meisten Forstbetriebe die nächsten Tage darauf, im Wald zu arbeiten und das Aufräumen muss warten. „Die Sicherheit des Personals ist an erster Stelle“, sagt Brunner.

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