Glaube

Nach brisanten Aussagen von Zürcher Kirchenvertreterin: Bischof verteidigt SVP-Anhänger

Vitus Huonder verteidigt die SVP-Anhänger.

Vitus Huonder verteidigt die SVP-Anhänger.

Dürfen Christen SVP wählen? Nach provokativen Aussagen einer Zürcher Kirchenvertreterin fordern SVP-Politiker eine Entschuldigung. Auch der Churer Bischof Vitus Huonder markiert Distanz.

In der katholischen Kirche ist Feuer im Dach. In einem Interview mit dieser Zeitung hat sich die angehende Präsidentin der Zürcher Kantonalkirche am Montag über die Asylpolitik der SVP geäussert. «Der Churer Weihbischof Peter Henrici sagte 2004, ein guter Christ könne nicht SVP wählen. Ich glaube, ich könnte ihm recht geben», sagte Franziska Driessen, künftige Präsidentin des Synodalrats und frühere CVP-Gemeindepolitikerin.

SVP-Anhängern stösst das sauer auf. «Es hat mich masslos enttäuscht, dass eine Vertreterin der Römisch-katholischen Kirche die SVP als nicht wählbare Partei darstellt», sagt die Aargauer Nationalrätin Sylvia Flückiger. Sie habe das Formular für den Kirchenaustritt heruntergeladen. «Ich überlege mir, ob ich zur reformierten Kirche wechseln soll.» Nun erwarte sie eine Stellungnahme des Bistums Basel und eine Entschuldigung von Driessen. Das forderte auch der Aargauer SVP-Präsident und Nationalrat Thomas Burgherr.

Der Ehemann von SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher verlangt gar den Rücktritt Driessens. «Eine öffentliche Entschuldigung der Zürcher Synodalpräsidentin ist das Mindeste. Am besten wäre es, wenn sie zurücktreten würde», sagt Roberto Martullo-Blocher. Sie vergesse, «woher die meisten Steuergelder ihrer Kantonalkirche kommen: von den SVP-Leuten».

Blocher nicht mehr in der Kirche

Martullo ist selbst Knall auf Fall aus der Römisch-katholischen Kirchgemeinde ausgetreten, wie im Januar bekannt wurde – als zweites prominentes SVP-Mitglied nach Nationalrätin Natalie Rickli. Seither zahlt Martullo keine Kirchensteuer mehr, sondern leistet eine Abgabe in den Solidaritätsfonds des Bistums Chur.

Erstmals äussert sich Martullo, der zuvor sogar ein Amt in der Kirchenpflege innehatte, nun über seine Beweggründe: «Ich bin unter anderem aus der Kantonalkirche ausgetreten, weil ihre Führung immer gegen den Bischof von Chur schiesst, um so eine Spaltung des Bistums zu provozieren.»

Vitus Huonder

Vitus Huonder

Der Churer Bischof Vitus Huonder, dessen Verhältnis zur Zürcher Kantonalkirche angespannt ist, nimmt die SVP-Wähler in Schutz. «Der Bischof von Chur bedauert, dass von Frau Driessen in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt wurde, die katholische Kirche betrachte eine der Bundesratsparteien als unwählbar für einen Katholiken», schreibt er in einem Communiqué, in dem er die Meinungsvielfalt betont: «Die Römisch-katholische Kirche bevormundet die Gläubigen politisch nicht und hält alle Parteien für wählbar, die im Rahmen der rechtsstaatlichen Vorgaben handeln.»

Franziska Driessen bekräftigt, sie stehe zu ihren Aussagen. Sie wolle niemanden aus der Kirche ausschliessen: «Es geht mir darum, eine Debatte zu führen.»

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