Gewaltprävention
Nach Bluttat in Würenlingen: Kantone bauen Amok-Register auf

Gezielt bauen die Kantone derzeit die Gewaltprävention aus. Mit einem systematischen “Bedrohungsmanagement” sollen potenzielle Amoktäter identi­fiziert und eine Eskalation wie im Fall Würenlingen AG verhindert werden.

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Schüsse in Wohnquartier in Würenlingen – Mehrere Tote
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In diesem Haus erschoss der Täter seine Verwandten.
Das Haus befindet sich am Langackerweg: Anwohner hörten an jenem Samstagabend gegen 23 Uhr Schüsse.
Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort.
Markus Gisin, Chef Aargauer Kriminalpolizei, an der Medienkonferenz am Tag nach der Tat: «Es sind relativ viele Schüsse gefallen.»
Der Familienvater mit türkischer Abstammung war zehn Tage vor der Bluttat von Würenlingen aus der psychiatrischen Behandlung entlassen worden.
Der Täter, Semun A., war der Polizei bereits bekannt.
Wegen häuslicher Gewalt war er ab April 2015 in der Psychiatrie.
Daniel von Däniken von der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft.
Polizeikommandant Michael Leupold.

Schüsse in Wohnquartier in Würenlingen – Mehrere Tote

Keystone

Zahlreiche Kantone führen neu Namenlisten von gefähr­lichen Personen, wie der «SonntagsBlick» berichtet. Polizisten und Psychologen suchen das Gespräch mit ihnen. Die Polizei beschlagnahmt Waffen. Wenn alles nichts nützt, nimmt sie die Amoks präventiv in Haft. Vorreiter sind die Kantone Zürich und Solothurn. «Bei vielen Gewalttaten in der Vergangenheit gab es im Vorfeld Warnzeichen, die zu wenig beachtet oder im Gesamtzusammenhang nicht ernst genommen worden sind», sagt Thomas Zuber (53), Kommandant der Kantonspolizei Solothurn. «Wir versuchen, bei bedrohlichem Verhalten einer Person durch Information und aktives Handeln Gewaltdelikte zu verhindern.»

74 Namen stehen derzeit auf der Liste der Kapo Solothurn. Bei 70 Personen besteht eine erhöhte Gefährdungslage, die sich auch durch Gespräche nicht entschärfen liess. Bei vier Personen sehen die Experten sogar eine «hohe Gewaltbereitschaft». Ausgehend von den Zahlen aus Solothurn zeigt eine Hochrechnung der Experten: Rund 2000 Personen in der Schweiz gelten als hochgefährlich! Die Kantonspolizei Zürich beschäftigt mittlerweile zehn professionelle Bedrohungsmanager, alle in einem 100-Prozent-Pensum.

«Die Bevölkerung erwartet, dass die Polizei Gewalt­delikte nicht nur aufklärt, sondern auch verhindert», sagt Reinhard Brunner (51), Chef der Präventionsabteilung bei der Kapo Zürich. Jeden Tag erhält die Fachstelle mehrere Gefährdungsmeldungen. Die Zahl der bearbeiteten Fälle stieg von 177 im Jahr 2012 auf 293 im letzten Jahr. «Wir rechnen für 2015 mit über 300 Fällen», sagt Hans Schmid (52), Dienstchef Gewaltschutz.

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