Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat im vergangenen Jahr in 145 Fällen anerkannten Flüchtlingen das Asyl in der Schweiz aberkannt. Grund dafür war, dass die Betroffenen einen Besuch im Heimatstaat gemacht hatten.

Eine Sprecherin des SEM bestätigte die von der "SonntagsZeitung" gemeldete Zahl. Am häufigsten von Aberkennungen betroffen waren die Länder Irak (33 Fälle), Bosnien-Herzegowina (25 Fälle) und Vietnam (17 Fälle). Aus Eritrea gab es sechs Fälle.

Damit ist das Asyl in der Schweiz im vergangenen Jahr wegen Heimatreisen weniger häufig widerrufen worden als im Jahr davor, als es gemäss der Antwort des Bundesrates auf einen Vorstoss von Nationalrätin Barbara Steinemann (SVP/ZH) 189 Fälle gegeben hatte.

Seit Jahren in der Schweiz

Reisen von anerkannten Flüchtlingen in ihre Heimatländer waren in den vergangenen Jahren immer wieder Gegenstand politischer Diskussionen, nicht zuletzt, wenn es um Eritreer und Eritreerinnen ging.

Ein grosser Teil jener Flüchtlinge, die in ihre Heimat reisen, lebt laut Bundesrat seit vielen Jahren in der Schweiz. Aus dem Umstand, dass jemand ins Herkunftsland gereist sei, könne aber nicht leichthin geschlossen werden, es habe zum Zeitpunkt des Asylgesuchs keine Verfolgung bestanden, hielt der Bundesrat fest.

Zu beachten sei insbesondere, dass sich die Sicherheitslage im Herkunftsland nach langjährigem Aufenthalt in der Schweiz stark verbessert haben könne. Der Widerruf des Asyls führe nicht automatisch zum Verlust der Aufenthaltsbewilligung.

Gesetzesänderung in Arbeit

Mit Anpassungen im Ausländergesetz will der Bundesrat das Heimatreisen-Verbot für Flüchtlinge besser durchsetzen können. Künftig soll die Vermutung gelten, dass, wer in seinen Herkunftsstaat reist, sich freiwillig unter den Schutz dieses Staates gestellt hat. Damit könnte ein Verfahren zur Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft umgehend eingeleitet werden.

Unter Generalverdacht standen bislang die Eritreer: Die ostafrikanischen Flüchtlinge sollen besonders häufig aus der Schweiz in ihr Heimatland zurückreisen.

Anfang 2016 hatte eine Delegation Schweizer Politiker Eritrea besucht, um die Situation vor Ort zu analysieren. Das Resultat der Reise finden Sie hier.