Béglé
Nach Béglé-Rücktritt: Wird Benedikt Weibel der neue Postpräsident?

Claude Béglé tritt als Verwaltungsratspräsident der Post zurück. Überraschend ist nicht der Abgang, sondern allenfalls dessen Zeitpunkt. Bereits wird über einen Nachfolger spekuliert. Peter Hasler und Benedikt Weibel haben die besten Chancen.

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Benedikt Weibel
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Peter Hasler, Ex-Arbeitgeberdirektor
Jens Alder, Sanitas-VR und ehemaliger CEO der Swisscom Jens Alder
SBB-VR-Präsident Ulrich Gygi SBB-VR-Präsident Ulrich Gygi
Postregulator Marc Furrer Postregulator Marc Furrer

Benedikt Weibel

Keystone

Gieri Cavelty, Tobias Gafafer

Für das Departement von Postminister Moritz Leuenberger präsentiert sich der Sachverhalt wie folgt: Am Dienstagvormittag sei Claude Béglé über das Ergebnis der von Leuenberger veranlassten Abklärungen zu den Post-Turbulenzen informiert worden. Eine Arbeitsgruppe aus Leuenbergers Generalsekretär Hans Werder sowie Peter Siegenthaler, Chef der Eidgenössischen Finanzverwaltung, hat in den vergangenen Tagen die Verwaltungsräte und die Post-Spitze zu den Abgängen von Konzernchef Michel Kunz sowie zweier Verwaltungsräte befragt - und Béglé offenbar bedeutet, dass er kaum zur Wiederwahl als VR-Vorsitzender vorgeschlagen werde. In den Worten von Leuenbergers Sprecher Harald Hammel klingt das so: «Die Resultate der Befragung sind nicht wahnsinnig positiv ausgefallen. Herr Béglé hat daraus den Schluss gezogen, dass sein Rücktritt wohl das Beste sei.» Weiter erklärte Hammel, dass Béglé keine Abgangsentschädigung erhalte.

Leuenberger nimmt Stellung

Béglé selbst betonte Am Dienstagabend in einem durch eine PR-Agentur verbreiteten Communiqué, er sei keineswegs fallen gelassen worden. Im Gegenteil: Er bedankte sich ausdrücklich bei Leuenberger, der ihm stets mit Wohlwollen begegnet sei. Ursache für den Rücktritt sei vielmehr die «über weite Strecken polemisch geführte Diskussion über meine Art, die Post zu führen, und die unqualifizierten Angriffe gegen meine Person», so Béglé. Wie in einer Reihe von Interviews in der letzten Woche räumte der 60-Jährige auch Fehler ein, die ihm bei seinem Vorwärtsdrang unterlaufen seien. Er habe die Bereitschaft zur Veränderung in der Post mit ihrer ausgeprägten Kultur als zu optimistisch eingeschätzt.

Gegenüber der Sendung «10vor10» sagte Béglé übrigens, er versteuere sein Einkommen ordnungsgemäss an seinem Wohnort in Pully VD.
Ausführlicher Stellung nehmen will Béglé am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Und auch Moritz Leuenberger will im Verlaufe des Tages vor Red und Antwort stehen. Der Postminister hat in den letzten Tagen und Wochen nachhaltig für Verwirrung gesorgt: Lange hatte er sich rückhaltlos hinter Béglé gestellt. Vor zwei Wochen dann liess er sein Umfeld wissen, er wolle Béglé so rasch als möglich los haben - bloss um ihn einige Tage später wieder zu stützen. Letzten Donnerstag war dann publik geworden, dass Béglé während einiger Monate des vergangenen Jahres bei einem indischen Unternehmen verpflichtet gewesen war. Er hatte dort ein Arbeitspensum von mindestens 75 Prozent inne, obwohl sein Mandat bei der Post 40 Prozent betrug. Einen Teil seines Lohnes liess sich Béglé gemäss einem Bericht der «Bilanz» in einer steuerfreien Zone in Dubai ausbezahlen. Spätestens mit Bekanntwerden der Modalitäten dieses Engagements dürfte es endgültig zum Bruch zwischen Béglé und Leuenberger gekommen sein. Insider betonen jedoch, dass sich Béglé in jedem Fall nicht mehr lange gehalten hätte. Leuenberger habe schlicht darauf gehofft, dass Béglé gehe, sobald ein geordneter Rückzug möglich sei.

Gesucht wird ein «Supermann»

Ausgestanden ist die Affäre für Leuenberger damit allerdings noch nicht. Im Gegenteil: Mit dem Rücktritt steigt der Druck auf den Postminister als dem politischen Verantwortlichen erst recht. Für FDP-Ständerat Rolf Büttiker nimmt Bundesrat Leuenberger «sicher» politischen Schaden: «Das Wahlverfahren war nicht optimal.» Der Solothurner spricht gar von einer Fortsetzung des Falls des ehemaligen Armeechefs Roland Nef, welcher 2007 zum Rücktritt von Bundesrat Samuel Schmid führte. Der Gesamtbundesrat habe aus dem Fall Nef die Konsequenzen zu ziehen. «Headhunter haben in der Bundesverwaltung einen viel zu hohen Stellenwert». Die Verantwortung für die Wahl der Chefs der Post, der SBB und der Armee habe letztlich der Bundesrat, so Büttiker. «Das können Headhunter nicht abnehmen». Auch der Bündner SVP-Mann Christoffel Brändli, Präsident der Fernmeldekommission des Ständerats, kritisiert den Umgang mit dem Geschäft: «Leuenberger hat sicher viel zu lange gewartet.» Für Brändli Priorität haben muss nun aber die Wahl des Béglé-Nachfolgers Priorität.
Wer konkret auf Béglé folgen könnte - dazu gab sich Brändli gestern aber bedeckt. Der Nachfolger muss laut dem Bündner SP-Nationalrat Andrea Hämmerle ein «Supermann oder eine Superfrau» sein, der als integrative Figur gleichzeitig für die Politik und den Service Public sensibilisiert sei und etwas vom Postgeschäft verstehe. Laut CVP-Ständerat Peter Bieri braucht es nun ein Person, «die weiss, was ein bundeseigener Betrieb ist». Zugleich ist für SP-Chef Christian Levrat eine Rückkehr der alten Garde ausgeschlossen.

Noch bevor Béglés Rücktritt gestern offiziell wurde, brodelte in Bundesbern bereits die Gerüchteküche. Einerseits wurde gemutmasst, Leuenberger könne schon heute Mittwoch einen nachfolger präsentieren. Andererseits brachten Branchenkenner insbesondere folgende Namen ins Spiel:

Ex-Swisscom-CEO Jens Alder

Marc Furrer, Chef der Postregulationsbehörde Postreg

SBB-Verwaltungsratspräsident und Ex-Post-CEO Ulrich Gygi

Peter Hasler, früherer Direktor des Arbeitgeberverbandes

Benedikt Weibel, ehemaliger Konzernchef der SBB

Von den Genannten war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Vermutlich dürften aber beispielsweise die Chancen eines Ulrich Gygi gegen null tendieren. Klar ist auf alle Fälle: Der Neue wird ein schwieriges Umfeld antreffen. So wurde der jetzige Postchef Jürg Bucher von Béglé ins Amt gehievt - dem Vernehmen nach ist er allein darum für mehrere Vertreter der Postspitze persona non grata. (Gieri Cavelty)