In der Schweiz werden die Bahnhöfe ab dem 1. Juni 2019 rauchfrei. Auf den Perrons ist das Rauchen nur noch in markierten Zonen erlaubt. Dies hat der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) am Freitag nach einem Testlauf beschlossen. Geht es nach den Tabak-Gegnern, ist dies aber erst der Anfang.

«Als Nächstes wäre ein Rauchverbot überall da sinnvoll, wo sich viele Kinder aufhalten», sagt Verena El Fehri, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz. Sie nennt Spielplätze und öffentliche Freibäder geeignet für rauchfreie Zonen. Ebenfalls zum Thema werden sollten Tramhaltestellen, sagt sie.

In ihrem Kampf erhält die Tabakpräventionsspezialistin Unterstützung aus dem Parlament. Im kommenden Jahr wird Nationalrat Nik Gugger (EVP/ZH) einen Vorstoss einreichen, um Zigaretten aus den Autos zu verbannen, wenn Kinder und Teenager mitfahren. «Es ist unerträglich und unzumutbar, wenn Kinder im Auto passiv mitrauchen müssen», sagt der Parlamentarier.

Die Schweiz sei im Vergleich mit den Nachbarländern in der Steinzeit stehen geblieben. In Frankreich und Italien, aber auch in Grossbritannien und Irland, ist das Rauchen im Auto verboten. Seit diesem Mai müssen Österreicher 1000 Euro Busse bezahlen, wenn sie mit Kindern im Wagen eine Zigarette anzün- den. Die Schweiz müsse nun nach- ziehen, sagt Gugger, denn die Kinder hätten keine Ausweichmöglichkeiten. «Das müsste eigentlich jedem Erziehenden einleuchten.»

Unklare Umsetzung

Doch während bereits neue Rauchverbote gewälzt werden, wirft die Umsetzung an den Bahnhöfen Fragen auf. «Die Detailabklärungen beginnen erst», sagt Roger Baumann, Sprecher des Verbandes öffentlicher Verkehr. Nicht alle Bahnhofinfrastrukturen gehörten vollumfänglich den SBB. In Bern gehöre beispielsweise die Christoffel-Unterführung nicht zum Bahnhof. «Es ist noch offen, ob das Rauchverbot dort ebenfalls umgesetzt wird.» Auch die Bus- und Tramstationen würden nicht im Einflussbereich der Verbandsmitglieder liegen, sondern gehörten den Gemeinden oder den Kantonen. «Bis im Juni werden wir wissen, wie wir mit solchen Spezialfällen umgehen», sagt Baumann. Eine Pressekonferenz sei für den nächsten Mai geplant.

In diesem Jahr hatten die SBB an sechs Bahnhöfen in der Schweiz drei verschiedene Nichtraucherregelungen getestet. Ausprobiert wurden ein komplett rauchfreier Bahnhof, Raucherzonen auf den Perrons sowie Raucherlounges. Die Tests wurden von einem Marktforschungsinstitut begleitet. Dabei haben 75 Prozent aller Befragten eine Änderung der heutigen liberalen Regelung gewünscht, wie der VöV schreibt.

Das Ausmass der Zustimmung habe ihn überrascht, erklärt VöV-Direktor Ueli Stückelberger gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Für die Raucher werden laut dem Verband ab dem 1. Juni 2019 neu bis zu zwei Raucherbereiche pro Perron eingerichtet. Das Rauchen ist dann nur noch in diesen markierten Bereichen sowie vor den Bahnhöfen erlaubt.