Rede im Parlament
Nach Auschwitz-Vergleich: Grünen-Nationalrat Jonas Fricker tritt zurück

Der grüne Aargauer Politiker zieht die Konsequenzen aus seinem Vergleich von Tiertransport und Judendeportation.

Patrik Müller
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Jonas Fricker tritt als Nationalrat zurück.

Jonas Fricker tritt als Nationalrat zurück.

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Jonas Fricker, der seit 2015 für die Grünen im Nationalrat sitzt, legt sein Mandat nieder. "Auf die Wintersession, die am 27. November beginnen wird, trete ich aus dem Nationalrat zurück", heisst es in dem Rücktrittschreiben, das Jonas Fricker am Samstag kurz nach 18.30 Uhr der "Schweiz am Wochenende" zukommen liess.

Darin schreibt er: "Der Vergleich, den ich während der Debatte im Nationalrat gemacht habe, war verletztend und unangebracht. Mit traurigem Herzen bitte ich nochmals um Entschuldigung für meine Aussage. Der Holocaust war ein grauenvolles Verbrechen, er lässt keine Vergleiche zu."

Jonas Frickers Werdegang in Bildern
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Von 2002 bis 2006 sass Fricker für das team baden im Einwohnerrat der Stadt Baden.
Jonas Fricker bei den Grossratswahlen am März 2009 in Aarau. Von 2007 bis 2010 war er Ratsmitglied. Von 2005 bis 2009 war er zudem Parteipräsident der Grünen im Kanton Aargau.
Jonas Fricker gratuliert der neugewählten Regierungsrätin Susanne Hochuli am 30. November 2008 im Grossratsgebäude. Hochuli machte sich für den Badener stark, als er 2015 für das Nationalratsmandat kandidierte. Sie schrieb: “Ich unterstütze Jonas Fricker, weil die Nachhaltigkeit für ihn kein Schlagwort, sondern gelebte Realität ist – in der Familie, im Beruf, in der Politik. Wir brauchen im Bundesparlament Politikerinnen und Politiker, die im Grossen wie im Kleinen immer das Ganze im Auge haben.“
Von 2011 bis 2013 lebte Fricker mit seiner Familie in Amsterdam. Im Bild mit seiner Tochter und seinem Cousin Adrian Hunziker. Fricker ist seit 2011 verheiratet und hat mittlerweile drei Kinder.
Fricker hat an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften studiert. Neben seiner politischen Laufbahn arbeitete er auch als Lehrer.
2015 kandidierte der Badener für den Nationalrat. Obwohl Irène Kälin aus Lenzburg auf dem ersten Listenplatz kandidierte...
...überrundete Fricker sie mit rund 3000 Stimmen.
Vorfreude: Der Grüne Jonas Fricker vor seinem ersten Tag als gewählter Nationalrat im Parlament.
Euphorie nach der Abstimmung vom 21. Mai: Die Befürworter des neuen Energiegesetzes freuen sich über den unerwartet deutlichen Abstimmungserfolg. Laura Curau (Kampagnenleiterin CVP), Alt-Nationalrat Ruedi Rechsteiner, Beat Jans (Nationalrat SP-BS), Roger Nordmann (Nationalrat SP-VD), Matthias Aebischer (Nationalrat SP-BE), Regula Rytz (Parteipraesidentin Gruene), Jonas Fricker (Nationalrat Gruene-AG), Stefan Mueller-Altermatt (Nationalrat CVP-SO), von links, und weitere Befuerworter der Energiestrategie 2050 jubeln nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnung, im Hauptquartier der Befuerworter der Energiestrategie 2050, am Sonntag, 21. Mai 2017 in Bern.
Jonas Fricker setzte sich auch für die Geschlechter-Gleichstellung ein: Hier während einer Protestaktion mit Maya Graf (Grüne) im Juni 2017 vor dem Bundeshaus.
«Die Menschen, die dort deportiert wurden, die hatten wenigstens eine kleine Chance zu überleben»: Jonas Frickers Rede im Parlament 28. September 2017

Jonas Frickers Werdegang in Bildern

Chris Iseli

Fricker hatte während der Debatte um die Fair-Food-Initiative einen Vergleich zwischen Schweinetransporten und der Deportation von Juden nach Auschwitz gezogen. Als er das letzte Mal eine Dokumentation über solche Tiertransporte gesehen habe, «sind mir unweigerlich die Bilder der Massendeportation nach Auschwitz aus dem Film ‹Schindlers Liste› hochgekommen», sagte er. Und weiter: «Die Menschen, die dort deportiert wurden, die hatten wenigstens eine kleine Chance zu überleben. Die Schweine, die fahren in den sicheren Tod.»

In seinem Rücktrittschreiben nennt Fricker die Niederlegung seines Mandats als "das stärkste Zeichen, das ich setzen kann". Er glaube, dass es diese Klarheit brauche in einer Zeit, "da menschenverachtende Politik wieder salonfähiger wird." Seine Aussage könne antisemitisch oder menschenverachtend interpretiert werden, "und das ist passiert". Er führt weiter aus: "Ich meinte es nicht so, aber: der Fehler liegt ausschliesslich bei mir."

Fricker bezeichnet seinen Entscheid auch als Zeichen an seine Partei, "deren humanistische Werte ich vollumfänglich teile". Er habe sein Amt als Nationalrat mit viel persönlichem Engagement und Herzblut ausgeübt und sei dankbare für die intensive und lehrreiche Zeit.

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