Strafrecht
Nach Ausbruch von Kris V.: Ständerat schliesst «gefährliche Lücke» im Jugendstrafrecht

Der Mörder von Boi durfte nur fürsorglich untergebracht werden. Darum konnte er aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden türmen. Der Ständerat hat am Donnerstag darum eine Motion des FDP-Ständerates Andrea Caroni (AR) einstimmig angenommen.

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Kris V. war seit 2015 fürsorgerisch untergebracht, weil die jugendstrafrechtlichen Massnahmen mit Erreichen des 22. Altersjahres endeten.

Kris V. war seit 2015 fürsorgerisch untergebracht, weil die jugendstrafrechtlichen Massnahmen mit Erreichen des 22. Altersjahres endeten.

Kapo AG

Heute enden alle Massnahmen des Jugendstrafrechts, wenn ein jugendlicher Täter das 22. Altersjahr erreicht. Ab Anfang Juli gilt eine Altersgrenze von 25 Jahren. Der Betroffene kann also beispielsweise eine geschlossene Einrichtung verlassen. Caroni sprach in seiner Motion von einer "gefährlichen Lücke", die es zu schliessen gelte.

Zwar könnten die Massnahmen unter bestimmten Bedingungen weitergeführt werden. Diese Regeln wurden aber für Täter geschaffen, die sich selbst gefährden oder an einer psychischen Störung leiden. Das Gesetz soll daher so geändert werden, dass auch Massnahmen zum Schutz Dritter angeordnet werden können.

Die Motion hat mit der Flucht eines 22-jährigen Mörders aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden in Windisch AG neue Aktualität erhalten. Dort war der Aargauer seit 2015 fürsorgerisch untergebracht gewesen, weil die jugendstrafrechtlichen Massnahmen mit Erreichen des 22. Altersjahres endeten.

2009 hatte der damals 16-Jährige in Sessa TI eine 17-jährige Vietnamesin mit einem Holzscheit erschlagen. Das Jugendgericht Baden verurteilte ihn 2013 wegen Mordes zur Höchststrafe im Jugendrecht: Er wurde zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren und zu einer geschlossenen Unterbringung verurteilt.

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