Gastronomie
Nach Aufstand gegen Lockdown: Gastroverband wirft rebellische Wirtin aus dem Vorstand

Daniela Liebi öffnete ihren Landgasthof in Schwanden BE trotz Verbot. Der lokale Gastroverband hat die Wirtin nun aus dem Vorstand ausgeschlossen. Sie ist irritiert über dieses Vorgehen.

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Akt der Verzweiflung: Daniela Liebi vom Landgasthof Rothorn in Schwanden BE.

Akt der Verzweiflung: Daniela Liebi vom Landgasthof Rothorn in Schwanden BE.

Privatarchiv

Sie suchte die Publizität nicht, doch am 11. Januar erlangte Daniela Liebi nationale Bekanntheit. Zahlreiche Medien hatten erfahren, dass sie in ihrem Landgasthof Rothorn in Schwanden BE ob dem Thunersee trotz des Gastro-Lockdowns Gäste bedienen würde. Die 52-Jährige öffnete ihren Betrieb am Morgen, servierte am Mittag Ghackets mit Hörnli, ehe die Polizei die Protestaktion kurz vor 14 Uhr beendete. Liebi droht eine Busse bis zu 10'000 Franken. Sie wollte mit diesem Akt des Ungehorsams auf die wirtschaftliche Not der von den Coronamassnahmen gebeutelten Gastrobetriebe aufmerksam machen. Zahlreichen Betrieben droht das Aus, wenn nicht bald Entschädigungsgelder fliessen.

Liebi hat für ihren Akt der Verzweiflung Hunderte Reaktionen erhalten, zu 70 Prozent seien sie positiv ausgefallen. Weniger begeistert zeigte sich der Verband Gastro Oberland West. Er hat Liebi, die während Jahren Gastro Thun präsidierte, kurzerhand und mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand ausgeschlossen. Der eingeschriebene Brief datiert vom 11. Januar – von jenem Tag, an dem Liebi die Tore ihres Landgasthofes öffnete.

Der Präsident und der Geschäftsführer schreiben, mit dem willentlichen Verstoss gegen die Coronaregeln habe sie eine Botschaft ausgesendet, die den Werten des Verbandes widersprechen würden. Sie habe sich zur Leitperson einer Protestbewegung im Kanton Bern gemacht. Gastrosuisse, Gastro Bern und Gastro Oberland West hätten diese Aktion aber schon seit Tagen verurteilt.

Telefonanruf am Tag des Ausschlusses

Gegenüber der Lokalpresse mochte sich die Vorstandsleitung nicht weiter zu Liebis Rauswurf äussern. Man sei mit ihrem Vorgehen nicht einverstanden, liessen Präsident und Geschäftsführer lediglich verlauten. Liebi wirkte seit drei Jahren als Beisitzerin und war im vergangenen Herbst für weitere drei Jahre im Amt bestätigt worden. Sie kann den Ausschluss nicht nachvollziehen und kritisiert, die Vorstandsleitung habe ihren Beschluss aufgrund von Medienberichten gefasst ohne mit ihr rechtzeitig das Gespräch zu suchen. Am Tag des Ausschlusses sei ihr via Telefon angeboten worden, ihren Posten freiwillig zu räumen. Liebi wird nicht gegen den Ausschluss rekurrieren. Sie kann sich nicht vorstellen, noch mit diesen Personen zusammenzuarbeiten.

Gastrosuisse lehnte den Beizeraufstand ab. Wie Präsident Casimir Platzer sagt, war der Dachverband aber nicht involviert in den Ausschluss von Daniela Liebi. «Das ist einzige Sache von Gastro Oberland West.»

Spendenkonto eingerichtet

Die Zukunft von Liebi und ihrem Landgasthof stehen in der Schwebe. Sie begrüsst zwar die angepasste Härtefallregelung, die der Bundesrat neulich präsentiert hat. Doch auch damit ist nicht garantiert, dass die Gastronomin rechtzeitig Hilfsgelder erhält, um die Fixkosten zu begleichen. Liebi fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. «Wir werden hingehalten und vertröstet, das ist schlimm.» Liebi findet, die A-fonds-perdu-Beiträge sollten 25 anstatt 20 Prozent des Umsatzes ausmachen können.

Via Internet richtete Liebi ein Spendenkonto ein, nachdem sich zahlreiche Personen bei ihr gemeldet hatten, die sie finanziell unterstützen wollten. Sie will damit zum einen die Bussen begleichen, die ihrem und anderen Betriebe wegen der illegalen Öffnung drohen. Falls Geld übrig bleibt, möchte sie Gastrobetriebe unterstützen, die Lehrlinge ausbilden.